»42« 

Vor einiger Zeit hatte ich meine Blogs aufgedröselt in 5 (in Worten: fünf) verschieden Blogs: 42, Lebenskunst, Zen-Dialog, Zen, Beruf und Alltag und Offene-Weite. Wenn ich mir die kurzen Texte auf der Offenen-Weite ansehe, dann scheinen das ganz andere zu sein als die auf dem Blog ‚Zen, Beruf und Alltag‘. Genau deswegen habe ich das Ganze auch aufgedröselt.

Aber das ist irgendwie irreführend. Ich existiere nur einmal. Ob ich deswegen auch einmalig bin, das lasse ich einmal dahingestellt. wenn es mich aber nur einmal gibt, wieso können dann die Texte so unterschiedlich sein? Ganz einfach, weil sie unterschiedliche Perspektiven repräsentieren. Wenn Sie mich von hinten anschauen, sehe ich eben anders aus als von vorne. Oder von oben. Ein Mensch, ein Denken, aber viele Perspektiven, aus denen man das Ganze betrachten kann.

Und genau das empfinde ich mittlerweile als ein Problem. Denn es lädt ein, eine Perspektive allein aufgrund der fehlenden Sichtbarkeit der anderen Perspektiven fälschlicherweise für das Ganze zu halten. Nehmen sie nur einmal die fünf Bilder der Blogs. Ganz unterschiedliche Stimmungen, die da vermittelt werden. Und das ist die Krankheit schlechthin, die ich in vielen Foren immer wieder feststelle. Es wird nur eine Perspektive dargestellt. Doch was hilft mir der richtige Gedanke, dass alles nicht eins und nicht zwei ist bei der Lösung eines unerledigten Bankvorgangs? Eben gar nicht.

Allzu leicht trennen wir Theorie und Praxis oder Privat von Beruf und erzeugen gerade damit allzu leicht das Problem, dass wir die Dinge eben trennen. Und das ist wirklich ein Problem. Da reden dann viele von Ganzheitlichkeit und merken nicht, wie sie ‚Ganzheitlichkeit‘ vom ganz normalen Leben abkoppeln. Die Idee der Ganzheitlichkeit wird dabei doch erst spannend, wenn man mit jemandem so richtig Zoff hat.

Ich habe gerade eine E-Mail an den Mitarbeiter einer Bank geschrieben und gemerkt, wie sich mein Puls leicht erhöhte. Ich kritisierte sein Verhalten mir gegenüber. Ob ich im Recht bin oder nicht spielt dabei keine Rolle. Mein erhöhter Puls hat mir klar signalisiert, dass ich endlich lernen muss nicht nur gelassen auf Angriffe zu reagieren, das kann ich ganz gut, sondern auch da gelassen anzugreifen, wo es für mich notwendig ist. Statt nur mal wieder die Klappe zu halten.

Das andere ist, dass ich immer weniger in der (gedachten) Zen-Robe daherkomme. Und vielleicht war dieses Zitat von Ikkyû Sôjun in ‚Gedichte von der Verrückten Wolke‘, das mir gerade über den Weg lief, also vielleicht war es der Anstoß, den ich brauchte, um mir einen Ruck zu geben und zu ändern, was nicht zusammenpasst:

Hsu-T’ang riss sich die Robe vom Leib
wie eine zerbrochene Sandale.
Zen hat keine Mitte.
Wolken kratzen am Mond
und eine Stimme an meinem Herzen.

Und darum gibt es jetzt nur noch einen Blog. »42« Und mich finden Sie nicht mehr unter ‚Meister des Zen‘, Jurist, Mediator, Coach oder sonst irgend einer Berufsbezeichnung, sondern nur noch unter ‚Peter D. Zettel, Autor, Berater & Dialogpartner‘. Das genügt. Kein Etikett mehr. Da muss jeder selbst Maß nehmen.

Hier geht es zur »42«: http://quergedacht.zettel.biz

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