Alles fließt, alles ist bedingt

Ja, nur man muss es verstehen und nicht als Erklärung für fehlende Wachheit missbrauchen.

Wenn ich an einer Aufgabe gescheitert bin, dann nicht, weil alles fließt, sondern weil ich wahrscheinlich einem Ziel angehaftet habe. Denn wenn etwas nicht geht, dann geht es eben nicht. Doch das merkt man nicht, wenn einen die eigene Absicht blind macht. Wir scheitern dann, wenn wir das Gewahrsein verloren haben für das, was ist. Also, nichts von fließen!

Und wo es Freude gibt, muss es keinen Ärger geben – und umgekehrt. Das Leben bewegt sich dynamisch, aber nicht zwischen Polen hin und her wie ein Uhrpendel. Auch das Prinzip von Yin und Yang mit Tag und Nacht, Winter und Sommer, männlich und weiblich einfach gleichzusetzen ist eine esoterische Vergewaltigung.

Und wer in einem Unglück unbedingt etwas zu lernen sucht, der darf sich nicht wundern, wenn er von einem Unglück in’s nächste stolpert. Gestern bin ich vom Rad gefallen und humple jetzt. Was sagt mir das? Dass ich unaufmerksam war. Autsch. Das einzige, was ich daraus lernen könnte ist, dass ich nicht fliegen kann wie ein Vogel. Aber das weiß ich schon.

Nur manchmal vergesse ich das und schlafe ein. Das ist alles, was daraus zu folgern wäre: Bleib endlich wach! Mich jeden Moment fragen: Bist du wach? Dann bräuchte ich nicht fliegen zu können und mein Knie würde mir trotzdem nicht weh tun.

Wie heißt es so schön in tausend und einer Nacht? Die Menschen schlafen einen tiefen Schlaf, erst in ihrer Todesstunde erwachen sie. Statt uns hinter irgendwelchen angeblichen Zusammenhängen über das Leben zu verstecken, sollten wir uns aufrappeln, schauen, ob die Kleidung sitzt und den Weg des Erwachens gehen.

Und da fällt mir ein Zitat von Rita Süßmuth ein: Einmal mehr aufstehen als hinfallen. Aber da hat sie sich verzählt. Aufstehen und weiter gehen statt liegenbleiben. Und, wie gesagt, keine esoterischen Weisheiten missbrauchen, denn dass alles fließt und alles bedingt ist stimmt, aber nicht in unserer gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.