Alter

Vielleicht weigere ich mich alt zu werden.

Vielleicht fahre ich deswegen seit ich fünfundsechzig bin Motorrad. Oder ich suche deswegen nach Wegen aus dem konventionellen Alltag. Für mich genauso wie für andere, die ich berate.

Vielleicht aber ist es exakt richtig, genau das zu tun, was ich gerade tue. Raus aus den Konventionen. Raus aus dem Alltäglichen. Raus aus Methoden und Konzepten. Tun, was man ‚eigentlich‘ nicht von mir erwartet. Privat genauso wie beruflich.

Also tun, was richtig ist zu tun. Für mich. Keine Rücksicht mehr zu nehmen auf das, was andere denken könnten. Tun, was mir wichtig ist. Aber nicht einfach so, sondern eben das, was richtig ist.

Denn für mich kann nur richtig sein, was auch für die Welt richtig ist. Wie es im Advaita heißt: Nicht eins, nicht zwei. Aber Motorrad zu fahren und Konventionen aufzugeben ist es noch lange nicht genug. Das ist erst der Anfang, der Beginn eines Prozesses der Neuorientierung.

Ein Stück Freiheit. Vielleicht das erste Stückchen Freiheit, das ich überhaupt zu fassen bekomme in meinem Leben. Es ist die Freiheit bewusst zu sein, was ich bin. Das ist eben nichts anderes als das, was ich bin. Und genau das ist die Entscheidung, die immer wieder von einem eingefordert wird.

Ich folge keinem Konzept und keiner Methode mehr. Ich suche vielmehr zu sein, wie Zen-Meister und Babys sind. Nicht erklären, was ich meine. Keine Rechtfertigung, warum ich denke, was ich denke und warum ich bin, wie ich bin.

Statt dessen einfach nur präsent sein, gegenwärtig sein. Nicht daran festhalten, dass die Dinge anders sein müssten, als sie eben sind. Es muss auch nicht immer das Selbe sein, tagaus, tagein.

Ich lerne viel. Auch von Menschen, aber noch mehr von Tieren. Und ich habe aufgehört, nach irgendeiner Wahrheit zu suchen. Stattdessen suche ich die Wirklichkeit als solche zu erkennen.

Direkt, ohne Umwege. Ohne Konzepte, ohne gedankliche Konstrukte. In mir selbst. Wo auch sonst könnte ich sie erkennen, wenn nicht in mir selbst? Doch ich kann mich nur dann selbst erkennen, wenn ich bereit bin, mich in dem Anderen genauso wie den Anderen in mir zu erkennen.

Ich habe keine Geduld mehr damit, wenn sich Menschen hingebungsvoll mit Dingen beschäftigen, an denen nur ihre Egozentrik und Selbstbezogenheit Interesse hat. Und ich habe kein Verständnis mehr für die herablassende und respektlose Art, wie die Menschen übereinander reden.

Nicht weil ich selbstgefällig geworden bin, sondern einfach nur, weil ich einen Punkt in meinem Leben erreicht habe, an dem ich keine Lust mehr habe, meine Zeit mit dem zu verschwenden, was andere glauben, dass es so wäre, wie sie es sehen, obwohl bereits eine kurze Reflexion erkennen lässt, dass es das nicht ist.

Ja, das Leben ist zu kostbar, es zu vertun und sich mit dem zu Frieden zu geben, was einem Werbung so verspricht. Man braucht Werbebotschaften nur genau zu betrachten. Sie sprechen die ursprünglichen Gefühle und Sehnsüchte in uns allen an. Doch können wir die jemals mit Konsum und Oberflächlichkeit befriedigen? Niemals!

Je bewusster ich Werbung anschaue, desto weniger brauche ich sie. Und je genauer ich manchen Menschen zuhöre, was sie so reden, desto öfter habe ich keine Lust, etwas dazu zu sagen.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.