Anders heißt wirklich anders

Wollen wir unser Leben ernsthaft ändern, müssen wir es auch ernsthaft ändern. Und nicht wollen, sondern es tun.

Als ich meine zweite Frau kennenlernte, machte ich einiges anders. Ich stand zu für meine Verhältnisse unchristlichen Zeiten auf, nahm endlich ab und so weiter und so fort. Doch den Turnaround, den ich eigentlich (man achte auf das eigentlich) wollte, bekam ich damals noch nicht hin. Und irgendwann war ich wieder ganz der Alte.

Es dauerte eine Weile, bis ich zum einen das erkannte (was verdammt weh tat, das ging so richtig ans Eingemachte) und zum anderen, dass ich erkannte, dass das Problem meine Persönlichkeit (meinem persönlichem Gott, dem ich jeden Tag meine Verehrung erwies) war, das ich ändern musste. Ich hatte schlichtweg eine Meise;  es war alleine meine Verantwortung, wie ich war. Die Gründe dafür waren zwar interessant und es war auch wichtig sie zu wissen, aber ich alleine war es, der sich ändern musste.

Das ist die Schwierigkeit mit persönlicher Veränderung. Sie gelingt nämlich nicht. Man kann eine Persönlichkeit nicht ändern. Man kann sie nur komplett neu aufsetzen. Aber das verlangt den Mut, den nur wenige haben, denn sie wissen ja nicht, was dabei herauskommt, einfach deshalb, weil sie es nicht wissen können. Und auch kein anderer. Das Einzige, was man sicher wissen kann ist, dass es besser wird. Es ist wie bei Kindern. Sie alle haben die Chance, erwachsen zu werden. Älter werden sie alle, ob sie aber auch erwachsen werden, liegt an ihnen – und nicht (!!!) an den Eltern.

Die versuchen zwar zu erziehen, aber die wirklichen Entscheidungen treffen die Kinder, auch wenn wir das bei uns selbst oft nicht wahrhaben wollen. Ist doch schön, wenn man jemandem die Verantwortung dafür geben kann, wie man geworden ist. Vor allem dann, wenn es uns nicht gerade zur Ehre gereicht. Tja, es ist wirklich nicht so einfach, mit unserer Freiheit umzugehen. Und sie dann auch wahrzunehmen. Oder geht es doch eher darum, sie überhaupt zu erkennen? Zu erkennen, dass nichts, wirklich nichts uns daran hindern könnte, der zu sein, der wir sein wollen? Außer natürlich wir selbst, klar.

Also sollten wir endlich damit anfangen aufzuhören (schönes Paradoxon, nicht?), auf den Prinzen mit dem weißen Pferd zu warten, der uns retten oder doch zumindest sagen wird, was zu tun ist. Und stattdessen endlich in die Gänge kommen. Aber bitte selbst. Sonst könnte es passieren, dass es zu spät ist und wir es nicht mehr erleben, wie es ist zu leben. Und stattdessen bis zum Hals in der Konvention stehen bleiben. Ganz ruhig, damit wir die Brühe nicht in Bewegung bringen und sie nicht in Mund und Nase kommt.

Gemeinschaft, also wirkliche Gemeinschaft und nicht die Pseudo-Gemeinschaft und wirklicher Dialog, nicht diese Friede-Freude-Eierkuchen-Gespräche, um ja niemandem auf die Füße zu treten, das ist, worauf wir uns einlassen müssen. Aber bitte nicht schrittchenweise, sondern mit einem beherzten Sprung rein in ein anderes, besseres und vor allem ehrlicheres Leben.

Aber noch mal zurück auf Anfang. Da habe ich geschrieben Wollen wir unser Leben ernsthaft ändern, müssen wir es auch ernsthaft ändern. Und nicht wollen, sondern es auch tun. Wir müssen uns bei all dem darüber im Klaren sein, dass darüber nachzudenken und etwas anders machen zu wollen nichts anderes also so eine Art mentale Valiumpille ist, die uns am Ende nur noch mehr frustriert. Wer nichts anders macht, der macht eben auch nichts anders. Wie heißt es doch so schön? Und ewig grüßt das Murmeltier. Also nichts gegen Murmeltiere, aber gegen solche mentalen Exemplare bin ich mittlerweile allergisch. Mit denen macht es wirklich keinen Spaß.

Darüber lohnt es sich doch, einmal nachzudenken. Und dann vielleicht anfangen, etwas zu tun. Anders zu tun. Und nicht erst noch eine Runde abzuwarten. Wann wollen wir denn endlich leben, wenn nicht jetzt? Ich saß gestern Abend in einer Kneipe. Abendessen. Ein älteres Ehepaar am Nebentisch. Bestellung, Schweigen, schweigend essen, zahlen. Gleichgültige und irgendwie traurige Gesichter.

An einem anderen Tisch lautes und lebhaftes Gespräch. Hörte man genau hin, war es aber nur eine Anhäufung von Belanglosigkeiten. Hätten die geschwiegen, wäre es auf das Selbe herausgekommen, nur wäre es ihnen dann vielleicht bewusst geworden, dass sie sich eigentlich überhaupt nichts von Bedeutung zu sagen haben.

Auf seine innere und äußere Sprache zu achten hilft, will man etwas anders machen. Kein Konjunktiv und keine Absichtserklärungen mehr in Bezug auf das, was man tut. Wir tun nämlich oder wir tun eben nichts. Dazwischen gibt es nichts. Und bitte kein Gelaber über irgendwas, nur um die gähnende Leere zu überbrücken.

Wichtig ist: Tun findet ja nicht nur im Außen statt, sondern ist gleichzeitig ein innerer wie äußerer Prozess. Fällt das auseinander, tun wir auch nichts.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.

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