Autonomie

Ein selbstbestimmtes Leben führen kann nur, wer die Grundlagen des Seins kennt.

Beantworten wir die Frage danach, was es heißt, ein autonomes Leben zu führen, aus dem üblichen, aus dem von der Illusion der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit geprägten Verständnis heraus (nein, das lässt sich nicht einfacher formulieren), dann führt dies zwangsläufig in die nächste Illusion, nämlich einem völlig an der Lebenswirklichkeit vorbeigehenden Verständnis von Freiheit.

Dies hat aber auch nichts damit zu tun, sich – wer hat einen solchen Satz nicht schon aus elterlichem oder sonst sich berufen wähnendem Mund gehört – der Realität des Lebens zu stellen. Schließlich ist das, was die meisten Menschen als »die« Realität ansehen nur ihre ganz persönliche Lebenswirklichkeit. Und die wird nicht wahrer dadurch, dass die meisten Menschen sie gleichermaßen teilen. Die Erde wird auch nicht zur Scheibe, wenn eine um ihre Macht besorgte Kirche dies den Menschen glauben machen wollte – und vielleicht sogar wirklich glaubt(e), was noch fatalere Folgen hat, denn dann wird es fanatisch.

Am Besten beginnt man also damit, sich ein großes Stück Papier in der Größe einer Zimmerwand zu besorgen und einmal all die Glaubenssätze aufzuschreiben, die man in seinen eigenen Kommentaren erkennen kann. Das Erschrecken wird einem sicher sein. Was dann noch nicht als bedenklich gestrichen wird, untersuche man einmal genau durch grundlegende Reflexion. Das wahrscheinliche Ende dieser Übung wird die Feststellung sein, dass das fundierte eigene Wissen die Dimension eines Sandkorns im Verhältnis zur Erde hat.

Klingt paradox, ist es aber nicht. Wirkliches Wissen beginnt mit der Feststellung, dass wir üblicherweise nichts wissen – dass vor allem auch das, was uns der gesunde Menschenverstand sagt, selten etwas mit Wissen zu tun hat.

Fazit: Ohne wahrhaftiges Wissen gibt es keine Autonomie.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.