Bewusstsein des Ganzen

Das Verhalten des einzelnen Individuums, Phänomens oder unser Erleben lässt sich nur im Bewusstsein des Ganzen verstehen. Dies gilt für andere wie für einen selbst.

Dabei bedeutet »Bewusstsein des Ganzen« mehr, als intellektuell, glaubend oder aufgrund einer metaphysischen Lehre um die Einheit allen Seins zu wissen. Es bedeutet vielmehr, dieses Bewusstsein zu sein.

Bewusstsein lässt sich auch verstehen als ein Raum, indem man sich bewegt. Der Raum des universellen Bewusstseins und der Raum des konditionierten Bewusstseins existieren da, wo wir ihn schaffen. Wir selbst bewegen uns fraglos in dem Raum des konditionierten Bewusstseins, es sei denn, wir entziehen uns dem durch Entsagung und Ausstieg. Wie aber können wir dann in dem Raum des universellen Bewusstseins leben?

Wenn wir, beispielsweise, in Regensburg in den Dom gehen, dann kommen wir auch geistig, jedenfalls die meisten Menschen, durch diesen sakralen Raum in den Raum des universellen Bewusstseins. Man kann sich dem nicht entziehen, wenn man dafür empfänglich ist. Kommen wir zurück auf den Domplatz und setzen uns in die Eisdiele gegenüber, was absolut empfehlenswert ist, dann liegt es an unserer eigenen Bewusstheit, ob wir den Raum des universellen Bewusstseins in unserem Geist aufrechterhalten und uns weiter in ihm »bewegen« oder eben nicht.

Denn tatsächlich ist der sakrale Raum des Doms ja nur ein Hilfsmittel, uns dieses Raums im Geist bewusst zu werden und zu sein. Bewusstsein lässt uns seiner gewahr werden, Bewusstheit erhält ihn aufrecht. Bewusstheit ist in diesem Sinne das Gegenteil von »wieder einschlafen«, wie es uns in der Zen-Praxis so oft begegnet. Bewusstheit kann man nicht erzeugen, man muss sich ihrer Struktur bewusst sein. Bewusstheit lässt sich auffassen als eine innere Bereitschaft und Sammlung und geistige Präsenz wie die vollkommene Versenkung in das universelle Bewusstsein.

Unsere Praxis hat daher zum einen den Sinn, das Bewusstsein des Ganzen in unserem Geist entstehen und weiter werden zu lassen und gleichermaßen die Bewusstheit möglich zu machen, die diesen geistigen Raum des universellen Bewusstsein im Raum des konditionierten Bewusstsein des alltäglichen Lebens aufrecht erhält.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.