Bitte denken! Aber auch stimmig!

Das heißt nicht, dass man etwas Bestimmtes denken müsste, sondern dass man sich an die Prinzipien des Denkens halten sollte.

Diese Prinzipien gelten nämlich für alle gleichermaßen. Aber das sind nicht etwa logische Regeln, sondern die Prinzipien, nach denen ein Gehirn funktioniert. Und der Natur ist es dabei egal, wer da gerade denkt, ob Frau, Mann oder Kind, ob politisch oder nicht, ob gläubig oder nicht. Der Gedanke von Huang Po etwa, dass alles begriffliche Denken eine irrtümliche Meinung ist, ist nämlich keine Aufforderung, das Denken als solches zu lassen, sondern ein wichtiger Hinweis.

Es ist die Aufforderung, nicht begrifflich zu denken. Wenn B unrichtig ist, dann muss A richtig sein. Dass ist unser gewöhnliches Denken. Anders zu denken heißt , dass A und B auch beide richtig sein können. Oder keins von beiden. Oder doch etwas ganz anderes. Es geht ergo darum, anders zu denken. Eben richtig. Also nicht mechanisch, sondern phänomenal, prozesshaft. Eben richtig! Das ist die wichtige Botschaft.

Und noch etwas. Huang Po hat auch gesagt: ‚Wenn ihr versucht, die Umwelt auszuschalten, bevor ihr das begriffliche Denken aufgegeben habt, werdet ihr keinen Erfolg haben; ihr werdet vielmehr ihre Macht stärken euch abzulenken.‘

Ich sage immer, bevor man meditieren möchte, muss man seinen Geist geklärt haben. Aber das ist nicht so ohne, als ich damit begann, also meinen Geist zu klären, da kam es mir so vor, als öffnete ich die Büchse der Pandora. Das war nicht angenehm, wirklich nicht. Diese Metapher hat es ja in sich. Zeus, der alte Fuchs, wies Pandora an den Menschen zu sagen, sie sollen bloß die Büchse zulassen. Wobei er wahrscheinlich davon ausging, dass sie sich garantiert nicht daran halten würden. War ja alles als Strafe für den Diebstahl des Feuers gedacht.

Also machten die Menschen die Büchse auf. So soll das Übel, die Mühen und die Krankheit in die Welt gekommen sein. Und wohl auch die Wurzelsünden waren da drin. Aber auch die Hoffnung, was leider viele vergessen. Nur Hoffnung alleine ist ja leider ziemlich nutzlos, solange man keine Konsequenzen daraus zieht. Hoffnung allein hilft nichts, gar nichts. Frustriert am Ende nur. Also konsequent sein. Aber womit?

In Bezug auf das Denken heißt das zu allererst, sich des eigenen Denkens bewusst zu werden. Eruieren, was man darüber weiß. Dass sich das als unrichtig herausstellen kann ist das Risiko, mit dem wir leben müssen. Aber die Wissenschaft von vorne herein zu ignorieren halte ich für fatal. Und dann muss man das Ganze untersuchen. Nicht theoretisch, sonder ganz praktisch. Und immer schön vorne anfangen.

Ich glaube mir mittlerweile, was ich denke. Doch das bedeutet nicht, dass es auch zwingend richtig und stimmig wäre. Aber weil ich es ja denke, habe ich es mal als relevant abgespeichert. Und Falsches aufheben und zu konservieren halte ich nicht für angesagt. Ergo mache ich mir bewusst, was ich denke und untersuche es. Faktencheck. Was steckt dahinter? Welche Überzeugung ist da am werkeln? Warum etwas in meinem Kopf ist, ist völlig egal. Drin ist eben drin. Und damit macht es mich aus.

Und das bedeutet, wenn ich das konsequent zu Ende denke, dass ich gut daran tue, mein Denken zu läutern. Dafür brauche ich erst einmal Wissen über das Denken selbst. Etymologisch folgt Läuterung dem Adjektiv ‚lauter‘ im Sinne von ungetrübt und aufrichtig. Doch wann ist mein Denken lauter? Doch erst dann, wenn es den Prinzipien des Kosmos entspricht. Zurück auf Anfang. Wenn ich so denken kann, dann denke ich auf die bestmögliche Art. Ob es richtig ist, kann ich nur annehmen. Auf jeden Fall muss ich es tun, selbst wenn ich nicht weiß, ob es wirklich zutrifft.

Das eigene Denken zu reflektieren und zu läutern braucht definitiv den Mut zum Risiko. Man weiß ja nie, ob man nicht sein Leben lang von etwas Irrigem ausgegangen ist. Da kann das eigene Selbstbild schon mal ziemlich belämmert aussehen. Und zum anderen braucht man den Mut eigenständig zu denken. Schließlich könnte man dabei völlig falsch liegen. Weniges ist uns weniger bewusst als das eigene Denken. Aber, wie gesagt, nur Mutige sind bereit, dieses Wagnis einzugehen und sich selbst zu erforschen.

Nur finde ich die Alternative nicht so toll. Man weiß dann nicht, dass man total verquer denkt, aber man lebt dann auch so. Verquer. Und irgendwie merkt man das ja doch, dass was nicht passt.

Fragen zum Text?