Das beste Ich sein

Das beste Ich sein, das ich bin – ist das sinnlose Selbstoptimierung oder doch etwas Sinnvolles? Und ist es richtig und erstrebenswert, nach Perfektion zu streben?

Auf den Gedanken, darüber einen Text zu schreiben, hat mich ein Zitat von Moshé Feldenkrais gebracht: ‚Mache das Unmögliche möglich, das Mögliche einfach und das Einfache elegant.

Die Antwort klingt ein bisschen so, als hätte das Orakel von Delphi gesprochen. Oder als ob jemand im Studieren des Kaffeesatzes zu erkennen suchen würde, wie die Dinge sich entwickeln werden. Kommt darauf an, was man darin zu sehen in der Lage ist, beziehungsweise, wie man einen Satz interpretiert.

Und genau darum geht es. ‚Was verstehe ich unter Selbstoptimierung?‘ Damit sollten solche Gespräche beginnen. Sollten, denn meistens tun sie es nicht. Sondern da wird gleich darüber diskutiert, als ob jeder das Selbe meinen würde, wenn er über Selbstoptimierung spricht. Oder über Perfektion.

Zwei unschuldige, kleine Wörter. Die aber meist garnicht unschuldig gemeint sind, weil mit ihnen ganze Welt- Menschen- und Selbstbilder zum Ausdruck gebracht werden. Und das sind nur sehr selten die Selben und meist noch nicht einmal die Gleichen.

Ich sitze, beispielsweise, hier am frühen Morgen in meinem Stuhl und schreibe. Nicht, weil ich Frühaufsteher wäre, sondern weil ich im Bett lag und mich ein nicht genau definierter Gedanke, ein Suchen nach einer Antwort umtrieb. Eigentlich nicht einmal eine Antwort, ich wollte ‚nur‘ für mich etwas erkennen und sichtbar machen, was mich  so sein lässt, wie ich eben bin.

Nur wenn ich mir dessen bewusst bin, kann ich sehen, ob dieser Gedanke, der ja nicht nur ein Gedanke ist, sondern mein Verständnis von dem Menschen und damit von mir, widerspiegelt, ob sich also dieser Gedanke harmonisch und elegant in mein Weltbild einfügt. Oder ob er garnicht darin enthalten ist. Aber eigentlich dazu gehören sollte. Oder ob er zwar eine Möglichkeit beschreibt, aber, weil zu sperrig, nicht locker durch die Tür passt. Wäre er übrigens schon elegant, würde ich wohl nicht darüber nachdenken.

Ich würde sagen, da war eine latente Unzufriedenheit mit mir selbst im Spiel. Irgendeine Unklarheit, etwas, das ich gerne ausdrücken wollte, aber nicht konnte. Es war nicht die Frage, wie ich bin, und auch nicht, wie es richtig wäre, zu sein, sondern wie ich sein soll.

Und genau dieses ‚soll‘ ist der Haken. Erst einmal ist klar, dass niemand anderes als ich selbst das definiere. Ist zwar leichter, wenn man sich sagt, mein Partner oder mein Chef will, dass ich so oder so bin, dann braucht man ja auch nicht die Verantwortung dafür übernehmen. Das Dumme ist nur, dass man die immer hat.

Doch wie soll ich das definieren können, wenn ich nicht genau weiß, wie die Welt aussieht, in die ich mich passend einfügen will! Ich bin ja schon seit einiger Zeit der Auffassung, dass ich nur durch die Definition meines Selbsterlebens ein eigenständiger Teil in und auf dieser Welt bin. Ohne dieses Selbsterleben bräuchte ich mir keine Gedanken über Selbstbewusstsein, Selbstgewahrsein und so weiter und so fort zu machen.

Und was ist damit, wenn es dieses Selbst nicht gibt, sondern nur die Illusion des Selbsterlebens. Dann wären alle diese Begriffe, die mit ‚Selbst-‘ anfangen ja auch nur eine Illusion. Ich seh schon, wie die Psychologen ob solcher Gedanken nervös mit den Füßen scharren und die Zornesfalten nicht mehr aus dem Gesicht bekommen.

Langer Rede kurzer Sinn: Es geht nicht um Selbstoptimierung, sondern darum, seinen Job richtig zu machen. Verstehe ich mich jetzt als in einem Prozess befindlich oder verstehe ich die Welt als einen einzigen Prozess, indem es ‚mich‘ überhaupt nicht gibt? Gibt es mich nur dann, wenn ich über mich nachdenke? Wo war ich dann, als ich diesen Text schrieb?

Für andere wäre ich da gewesen, wenn sie im selben Raum gewesen wären, aber ich war für mich nicht anwesend. Ich war das Schreiben und ab und zu das Nachsinnen. Und damit bin ich wieder bei der Frage nach der Perfektion. Die stellt sich nur dann, wenn dieses Selbst mitspielt. Ist das aber gerade mal nicht da, bin ich auf neudeutsch ‚im Flow‘, dann ist nicht Perfektion eine Selbstverständlichkeit, aber das Streben danach sehr wohl.

Will ich also das beste Ich sein, das ich bin, brauche ich mich nur zu vergessen. Und gut ist´s. Aber noch mal zurück. Mein Verhalten ist in der Regel nicht bewusst. Implizites Wissen. Doch das bedeutet nun wirklich nicht, dass es auch aus dem Verständnis und im Interesse des Ganzen hilfreich und stimmig wäre. Also soll ich dann permanent über mich nachdenken? Könnte man probieren, würde aber nicht funktionieren.

Also brauche ich eine Richtschnur. Eben Prinzipien, an denen ich mich ausrichte. Wozu bräuchte ich dann auch noch ein Ego, das mir sagt, wo es langgeht? Ich habe doch schon meine Prinzipien!

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.