Das Ich-Gefühl ist ein Scherz

Aber wirklich kein guter. Sondern ein ziemlich schlechter.

Was verbindet Albert Einstein, Erwin Schrödinger, Hans-Peter Dürr, Hui Neng, Huang Po, Alan Watts und Jiddu Krishnamurti? Sie sind von unterschiedlichen Positionen aus gestartet, haben aber alle dasselbe erkannt: An unserer Angst, unserem Leid, der Entfremdung in der Natur und dem fehlenden Lebensglück ist ein Irrtum schuld – die Illusion des Ichs als Individuum.

Wir leiden an einem schlichten Bewusstseinsfehler. Wir denken, dass die Welt so ist, wie wir sie wahrnehmen, also wie wir sie erleben. Doch das ist sie nicht, was uns zu einem irrigen Verständnis der Welt und uns selbst führt.  Und schon sitzen wir in der Falle. Oder im Gefängnis. Die spannende Frage ist nur: Wie kommen wir da wieder raus? Das ist das eigentliche Problem. Denn wir sind sich reziprok selbstorganisierende Wesen, und das heißt, dass sich der Denkfehler tief in unser System eingegraben hat, er ist sozusagen systemimmanent.

Jetzt einfach zu denken ‚Ich denke beziehungsweise ich sehe die Welt anders’ funktioniert also leider nicht so ohne weiteres. Diesen Bewusstseinsfehler nicht zu machen heißt nämlich auch, unser inneres Weltbild komplett neu zu organisieren. Doch an dem hängt unmittelbar unser Selbstbild, wobei ich glaube, dass ‚hängt’ zu wenig ist, es ist dieses Weltbild – beides ist nicht voneinander zu trennen. Das geht dann also auch in die Brüche – der Grund, warum es auch nur so wenige schaffen, sich darauf einzulassen.

Aber das ist nicht alles, denn wir müssten auch unser gesamtes Verhalten von Grund auf neu organisieren. Nur – wer will das schon? Wer ist schon bereit, im Grunde sein gesamtes Leben neu zu organisieren? Und zwar wirklich alles? Aber selbst die, die dazu bereit sind, tun sich schwer damit, denn sich neu zu organisieren bedeutet sein Gehirn umzubauen.

An der Bereitschaft zur Einsicht liegt es also nicht, sondern an der Bereitschaft, sich mit den Folgen auseinanderzusetzen, die damit einhergehen würden. Das ist das eigentliche Problem. Ein Komplettumbau unserer Denkstrukturen. Das bedeutet, dass wir das Ganze unter den verschiedensten Gesichtspunkten betrachten und erörtern müssen, um Schritt für Schritt eine Überzeugung nach der anderen wahrzunehmen, zu untersuchen und auf Stimmigkeit hin zu überprüfen.

Doch das gelingt nur, wenn man sich intensiv mit all den Faktoren auseinandergesetzt hat, die dabei eine Rolle spielen – und das sind eine Menge. Klingt anstrengend. Aber es lohnt sich, die Welt zu sehen, wie sie ist. Und es ist letztlich nicht wirklich anstrengend.

Nur der Widerstand dagegen kostet Kraft.

2 Antworten auf „Das Ich-Gefühl ist ein Scherz“

  1. Hallo Peter – ich würde mich an dieser Stelle auch über einen Hinweis, einen Lektüre-Tipp, irgendeine Hilfestellung freuen, die es mir ermöglicht, einen Einstieg sowohl in das Thema als auch in den „Umbau“ zu finden.

    LG Andrea

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