Das Spiel mit Worten

Wir müssen klar kommunizieren, wollen wir uns richtig verstehen.

Dazu gehören übrigens (mindestens) zwei: einer, der ,richtig‘ spricht und einer, der ,richtig‘ hört. Dabei ist das relativ einfach, wenn nur klar ist, welche Bedeutung die verwendeten Begriffe haben. Und das ist das eigentliche Problem. Unklarheit über die verwendeten Begriffe. 

Vielen, wenn nicht gar den meisten, fällt es schwer, Begriffe zu klären. Eines meiner Lieblingsspiele ist das Beziehungsspiel. Das klärt nämlich immens viel. Ist dabei ganz einfach. Wie sehe ich dich und mich, was will ich von dir, was willst du von mir und so weiter und so fort. Und umgekehrt das Selbe. Zwei Subjekte (!!) also, die sich in Beziehung setzten.

Also reden wir darüber! Wenn das so einfach wäre … Warum ist das aber so schwierig? Der Grund ist einfach. Was wir wissen, ist mit einer Emotion abgespeichert. Darum lieben wir auch Bilder so sehr und sind anfällig für Manipulationen jeglicher Art. Die kommunizieren nämlich genau das: Emotionen.

Aber das sind dummerweise erinnerte Emotionen. Man könnte auch sagen, die Vergangenheit schlägt mal wieder zu. Und wie kommt man da raus? Ganz einfach: Beziehungsarbeit. An sich selbst. Eine Beziehung zu klären heißt nämlich zuallererst Selbstreflexion. Selbstreflexion? Ja, genau das bedeutet es! 

Und das bedeutet nämlich, Begriffe von Emotionen zu lösen. Was haben die auch miteinander zu tun? Gar nichts! Alles nur eine Interpretation. Oder ist es doch ganz anders?Gut, das mag für persönliche Dinge so sein, aber wie ist es im Business und im Job? Genauso! Oder glauben Sie ernsthaft, da sei das anders? Ist es nicht, auch wenn viele gerne so tun als ob es anders wäre.

Wir kommunizieren nun einmal mit Worten. Also beginnen wir, indem wir uns die damit einhergehenden (weil gespeicherten) Gefühle und Emotionen, uns all das, was an einem Begriff ,hängt‘, klar zu machen. Nehmen Sie einmal das Wort ,Demokratie‘. Und jetzt schlagen Sie einmal im Lexikon nach, was Demokratie bedeutet. Da wird es nämlich schon knuffig. 

Sprechen wir von einer Basisdemokratie oder doch eher von einer repräsentativen Demokratie? Oder von der Diktatur der Mehrheit, wenn 50% plus einer die Macht haben und der Rest in die Röhre schaut und sich beide Lager in so einer Art von Kriegszustand miteinander befinden? 

Es wird Zeit, meine Zuneigung zum Pragmatismus offen zu legen. Pragmatismus, das ist (so das Lexikon) eine philosophische Schule, die einen sicheren Aufbau von Erkenntnis vorschlägt durch die Kombination von mathematisch-logischer und naturwissenschaftlicher Methodik beziehungsweise eine Einstellung, bei der man nur auf die sachlichen Gegebenheiten und auf praktisches Handeln ausgerichtet ist.

Treffer! Doch das bedeutet nun nicht, seine  Gefühle zu unterdrücken, sondern das eine vom anderen zu trennen. Und jetzt wird es richtig paradox. Worte haben mit Emotionen ergo nichts zu tun, wir Menschen ,sind‘ aber genau das: Emotionen und Gefühle. Und die wollen wir auch in Szene gesetzt wissen. Und uns richtig lebendig wissen.

Aber da ist noch etwas. Die Logik. Jede logische Überlegung baut ja auf einer meist nicht explizit ausgedrückten Annahme auf. Einer inneren Überzeugung, genauer, unserem internalisierten Welt- und Menschenbild – und damit unserem Selbstbild. Etwas, das man nicht mehr so richtig beschreiben, sondern eher nur noch umschreiben kann. Also müssen wir das zu allererst klären. Dann können wir auch pragmatisch reden.

Noch einmal anders wird es, wenn wir Beziehung ganz anders anders definieren. Wenn wir nämlich unser Selbstbild damit reinnehmen. Ist die Welt eine feindliche Welt, in der ich mich behaupten muss, oder ist es eine Welt, die genutzt werden sollte und wo jeder sehen muss, wie er zu seinem Recht kommt, oder sehe ich die Welt als etwas, dem ich mich fügen muss? Oder sehe ich mich in Beziehung zur Welt als jemand, durch den etwas in die Welt gebracht werden will? Oder gar, dass diese Welt und ich eins sind?

Und damit bin ich wieder bei der Bedeutung der Begriffe. Denn die beinhalten mehr, als wir glauben. Oder zu meinen glauben. Denn unser ganzes Weltbild steckt drin. Genauer: Wir stecken drin.  Wenn wir das einmal geklärt haben, tun wir uns leicht mit dem Pragmatismus. Dann hat er eine Basis, auf der er aufbaut und schwebt nicht im luftleeren Raum. Oder sollte ich sagen sinnleeren? Oder gar sinnentleerten?

Wollen wir also klar kommunizieren, müssen wir Sprache als das erkennen, was sie ist. Sprache beinhaltet keinen Sinn an sich, aber sie baut auf einem Sinn auf. Das eine vom anderen zu trennen ist die Kunst in der Kommunikation.

Das Spiel der Worte eben. Da fällt mir ein Spruch von Alan Watts ein: ‚Das Leben ist ein Spiel, dessen erste Spielregel lautet: Das ist kein Spiel, das ist todernst.‘

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.