Demut und Sinn

Demut, so wie ich sie verstehe, hat ihren Ursprung darin, dass ich weiß, was ich nicht weiß.

Demut heißt, meine Grenzen zu kennen. Aber es gibt zwei Grenzen, eine menschliche, über die kein Mensch hinaus kann, und eine persönliche, die nur für mich gilt und die es letztlich immer wieder zu überwinden gilt. Nicht in das Unermessliche, aber eben bis zu dem des Menschen Möglichen.

Demut macht die Räume deutlich, in denen ich mich bewegen kann. Ist mir die Grenze eines Raumes nicht bewusst, kann ich ihn auch nicht ausfüllen und ich bleibe hinter meinen Möglichkeiten zurück. Doch Demut, die wirklich mit dem Streben nach Erkenntnis einhergeht, ist wesentlich schwieriger zu realisieren, als man gemeinhin glaubt. Demut setzt vor allem Bewusstheit voraus, setzt voraus, dass ich mir bewusst bin, wer und was ich bin oder doch zumindest danach strebe, es bewusst zu erfassen.

Wissen zeigt mir dabei nur den Weg, der zu gehen ist, es ist die notwendige Landkarte, ohne die ich nicht weit komme und auch nicht zügig voran schreiten kann, doch es ersetzt niemals das Gehen und die damit verbundene Erkenntnis, aus der ich dann wieder neues Wissen generieren kann. Dies macht deutlich, wie sehr uns Gewohnheiten eingrenzen, wenn wir uns selbst nicht immer wieder in Frage stellen und anzweifeln können, was wir für sicher halten.

Doch wie könnte uns das ohne Demut überhaupt möglich sein? Ohne Demut würden wir bei einem solchem Unterfangen schlichtweg verzweifeln. Wirkliche Selbsterkenntnis ist ohne Demut für mich nicht denkbar, ohne gleichermaßen in dem Bereich der geistigen Welt, der Welt der Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit, zu Hause zu sein, verkommt Erkenntnis zum reinen Egotripp.

Und wie können wir unserem Leben Sinn geben, sind wir nicht demütig? Sinn kann man nur geben, man kann ihn nicht suchen, doch was schützt mich davor, mir selbst, meinen äußerst selten wirklich bewussten Motiven zu erliegen, wenn nicht eben Demut?

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