Der allgegenwärtige Yo-Yo-Effekt

Ein Problem nicht nur für Übergewichtige.

Den Yo-Yo-Effekt kennt jeder, der schon einmal sein Verhalten ändern wollte. Es geht eine Weile, aber bevor man sich versieht, ist es wieder alles beim Alten – meist schlimmer als vorher.

Woran liegt es aber? Es sind unsere Gewohnheiten, die uns essen lassen, wie wir essen. Nur sind diese Gewohnheiten nicht irgend so ein mentales Ding, auch wenn es damit zu beginnen scheint. Denn diese psychischen Prozesse haben sich für unser Empfinden auf der physischen Ebene niedergeschlagen. Genauer, sie gehen mit ihnen Hand in Hand. Sie bedingen sich gegenseitig (so kann man es leichter verstehen) und sind letztlich eins.

Und genau so ist es. Bei allem. Wirklich allem.

Gut, wie aber geht man dem Yo-Yo-Effekt aus dem Weg? Ganz einfach. Auch wenn die physische und die psychische Ebene eins sind, kann man sie gleichwohl so behandeln, als würden sie sich gegenseitig bedingen. Also, wenn ich etwas machen will, also auf der physischen Ebene etwas will, muss ich mir überlegen, wie ich das Gewollte auf der psychischen Ebene umsetzen kann. Beim Abnehmen geht das ja relativ einfach. Essgewohnheiten ändern, den Fressattacken Einhalt gebieten usw., also an der psychischen wie an der physischen Ebene arbeiten.

Bei manchen Problemen ist es also eine Mischung. Oder doch bei allen? Genau so ist es nämlich. Man muss das, was sich leichter bewegen lässt, zuerst auf die Reihe bringen. Inneres Verhalten äußert sich immer in einem (konkreten) äußeren Verhalten – man muss nur genau genug hinschauen, dann sieht man es schon.

Entscheidend ist, dass man immer beide Ebenen gleichzeitig bearbeitet. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn das ganze Denksystem ist in unserem Gehirn abgespeichert.

Einerseits ist unser Gehirn absolut lernfähig, Neurologen sprechen von Neuroplastizität. Wir können das Gehirn jederzeit ummodellieren. Doch auf der anderen Seite ist da noch das sogenannte Belohnungssystem des Gehirns. Das hat großes Interesse daran, das Gehirn nicht anzustrengen und baut auf kurzfristige Belohnung. Darum haben wir so zu kämpfen, wenn wir etwa abnehmen wollen.

Die gleichen Gründe finden wir beim Alkoholkranken und jeder Art von Sucht. Oder beim momentan zu beobachtenden exzessiven Gebrauch von Smartphones. Funktioniert alles nach dem Lustprinzip. Doch das kann man umbauen. Mit einer klaren Vorgabe, einem guten Kontrolleur, viel Selbstdisziplin und der Bereitschaft, den inneren Schweinehund zu überwinden.

Ein Beispiel: Ich habe in den letzten Monaten ziemlich abgespeckt. In unserem Urlaub hatte ich überhaupt keinen Blick für Schokolade, Ich ,wusste‘ nämlich, dass einfach keine da war. Kaum zuhause angekommen, ging ich auf die Suche nach Schokolade. Wo war sie nur? Es dauerte eine Weile, bis mir das bewusst wurde. Meine Frau hingegen kann an einem Berg Schokolade vorbeilaufen und sie interessiert sie nicht. Eine andere Programmierung.

Und wie komme ich dahin? Sicher nicht durch einen Trick, sondern alleine mit konsequenter Gewöhnung daran, an Schokolade vorbeizugehen. Keine zu haben löst das Problem aber nicht! Das blendet es nur aus.

Will ich also etwas anderes machen, mich verändern, muss ich mein Gehirn umbauen. Dabei steht es sich selbst mit seinem Belohnungssystem etc. im Weg. Also brauche ich einen sehr präzisen und genau detaillierten Plan, wie ich mein Leben gestalten will – Absichtserklärungen taugen da überhaupt nicht. Und ich brauche ein funktionierendes Kontrollsystem. Und jede Menge Disziplin, Beharrlichkeit und auch die Bereitschaft zur Selbstüberwindung.

Solange, bis unser Gehirn seine Belohnung und seinen Lustgewinn in genau der Veränderung sieht, die wir anstreben. Aber tun Sie das bitte nicht mit einer irgendwie gearteten Manipulation. Das merkt das Gehirn nämlich. Das ist, als gäben Sie ihm ein Placebo. Fällt das weg, ist es sofort wieder beim Alten.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.