Der mittlere Weg

Nein, das ist jetzt kein zen-buddhistischer Gedanke, sondern eine sehr pragmatische Überlegung über den Umgang mit den Dingen, die uns in der Welt begegnen.

Betrachten wir die Entwicklung in der Welt, dann weiß man ja nicht so recht, ob man weinen, verzweifeln oder einfach weg schauen sollte. Die richtige Antwort ist – wieder einmal – weder noch. Es ist ein großer Irrtum zu glauben, dass so richtig und wirklich erfolgreiche Menschen (also die, die sich ihren Raffzahn haben wegoperieren lassen oder nie einen hatten, soll es ja auch geben) in so einer Art Schlaraffenland leben würden. Tun sie nicht. Auch sie kennen die Höhen wie die Tiefen des Lebens. Wie wir alle auch. Nur sie gehen anders damit um.

Wie man das nennt, habe ich in dem Buch von Jim Collins ‚Weg zu den Besten‘ das erste Mal gelesen: Das »Stockdale-Paradox«. Stockdale war ein General (auch von denen kann man lernen!), dessen Verhalten dazu beitrug, dass viele seiner Soldaten im Gegensatz zu vielen anderen die vietnamesische Gefangenschaft überlebten. Es war eine Mischung aus zwei sich scheinbar ausschließenden Haltungen: 

Man muss den unerschütterlichen Glauben besitzen, dass man sich am Ende durchsetzen wird – ganz gleich, welche Schwierigkeiten sich einem in den Weg stellen. Gleichzeitig muss man aber die Disziplin haben, den Realitäten der aktuellen Situation ins Auge zu sehen – egal, wie unerfreulich sie sind. Nelson Mandela hat mit genau der selben Einstellung seine Inhaftierung und Verfolgung in Südafrika überstanden und gemeistert. 

Realistisch sehen, was ist, aber die Hoffnung nicht aufgeben. Und genau das ist, was uns in jeder Situation hilft. Dahinter steckt übrigens noch etwas anderes, was viele nicht sehen. Es ist der Glaube oder besser die Überzeugung von der eigenen Kompetenz, der eigenen inneren Fähigkeit, die Dinge zu ändern. Es ist die Fähigkeit, die aktuell herrschende Macht ‚umzudrehen‘ und sie in eine bessere Richtung zu drehen.

Auch wenn die Dinge noch so verworren erscheinen, es gibt einen Weg heraus. Aber wir dürfen die Augen unter keinen Umständen vor den Gegebenheiten verschließen. Der entscheidende Punkt ist vielleicht, dass wir vorsichtig mit dem Verteilen von Schuldzuweisungen sind. Alles hat zwei Seiten, und wir wissen selten, was einen Menschen veranlasst hat zu werden, wie er geworden ist.

‚Was hat er oder sie erlebt, dass er oder sie so geworden ist‘ habe ich mich in meinen letzen Anwaltsjahren immer wieder gefragt. Und wurde dabei sehr nachdenklich. Man hört unweigerlich auf, die Menschen zu verurteilen, ohne aber zu rechtfertigen oder klein zu reden, was sie tun.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.