Der Grat der Menschlichkeit

Wir Menschen bewegen uns meist entweder in einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Gefühl der Ohnmacht oder aber wir kultivieren persönliche oder nationale Machtphantasien. Nur wenigen ist es vergönnt, auf dem schmalen Grat dazwischen zu leben.

Die eine Seite, die diesen Grat begrenzt oder auch eingrenzt, ist die Demut, frei von Unterwürfigkeit, und auf der anderen Seite die Kraft und auch die Macht, die ihrerseits frei von jeglicher Anmaßung ist. Mir fällt dabei immer dieses Bild des eigenen Körpers ein. Mal angenommen, der bliebe für einen Augenblick wie er ist, dann sorgt jede einzelne Zelle dafür, dass das Ganze überleben kann.

Eine einzige, scheinbar unbedeutende Hautzelle schützt den Körper vor Eindringlingen, die ihn letztlich töten könnten. Und eine einzelne Hirnzelle ist nur im Zusammenspiel mit den anderen ‚intelligent’, so wie eine einzelne Zelle meines Herzens für sich alleine kaum etwas ausrichtet. Doch zusammen mit den anderen halt sie das Ganze in Gang.

Das Prinzip, das wir hier wiederfinden, ist ähnlich dem Prinzip der Musketiere ‚Einer für alle, alle für einen’. Nur das stimmt nicht so ganz, denn letztlich gibt es im Kosmos keine Gegner, nur Mitspieler. Das in sich differenzierte Eine eben. Das ist der schmale Grat, auf dem das Leben stattfindet. Doch wir Menschen haben vielfach das Bewusstsein dafür verloren – anders als übrigens nicht domestizierte Tiere. Doch die machen das nicht bewusst, sondern instinktiv. Jedenfalls wir Menschen sehen das so. Aber vielleicht ist es ja auch ganz anders.

Darum stimmt auch der Titel dieses Textes nicht so ganz, denn ‚Menschlichkeit’ ist keine Beschreibung für diesen Zustand, eher wäre Natürlichkeit passender. Aber irgendwie stimmt er doch, denn Tiere haben wohl das Bewusstsein dafür nicht. Vielleicht ist es ja eine der Aufgaben, die uns das Leben stellt, uns dessen bewusst zu werden? Was natürlich bedeutet, es erst einmal vergessen zu müssen, um es sich wieder aneignen zu können.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.