Die Haltung macht´s

Immer wieder stellt sich uns die Frage, was wir tun können, um wesentlich und wahrhaftig sein zu können.

Die Antwort ist schlicht »nichts«, was viele Menschen frustriert davon abhält, sich weiter mit der Frage des Strebens nach Wesentlichkeit und Wahrhaftigkeit beschäftigen.

Der Grund dafür ist, dass wir in einer Kultur des Tuns und damit einhergehend in der Vorstellung leben, etwas tun zu müssen, um dem Anspruch nach wesentlich und wahrhaftig zu sein gerecht werden zu können.

Was wir selten bedenken ist, dass dies konsequent zu Ende gedacht bedeuten würde, dass wir mangelhaft auf die Welt gekommen sein müssten und jetzt alles dranzusetzen haben um zu werden, etwas zu werden. Eine ziemlich unsinnige Annahme, dabei ist es genau die Überzeugung, die viele Menschen von sich haben.

Betrachtet man dies genauer, dann ist leicht zu erkennen, dass es tatsächliche oder vermeintliche gesellschaftliche Anforderungen sind, denen wir gerecht zu werden versuchen, wenn wir glauben, an uns „arbeiten“ zu müssen. Das aber hat weder etwas mit wesentlich noch mit wahrhaftig sein zu tun, bedenkt man, dass wir in einer gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit leben.

Wesentlich sind wir, wenn wir unseren Wesen entsprechen, was etwas anderes ist, als authentisch zu sein. Wahrhaftig sind wir, wenn wir in Einklang mit dem Lauf der Dinge und im Einklang mit der Dynamik des Lebens sind, was etwas anderes ist als zu wissen, was richtig oder falsch ist oder eine Erklärung für die Ereignisse des Alltags zu haben..

Unser Wesen ist uns immanent und damit das, was nicht nur für uns wesentlich ist. Wir müssen also nichts tun, um wesentlich zu sein, wir müssen nur aufhören, uns daran zu hindern, es zu sein. Das ist andererseits keinesfalls die Aufforderung zu sein, wie man eben ist, sondern zu sein, was man ist.

Wenn uns unser Wesen immanent ist, dann ist jeder »Zustand«, der dem nicht entspricht, Sechstverleugnung. Was auch sonst?

Die Frage ist also nicht, was wir tun können oder gar müssen, um wirklich »wir selbst« zu sein – die Frage ist vielmehr, wie wir uns daran hindern!

Dabei darf nicht übersehen werden, dass wir – so paradox das ist – herzlich weinig über unser eigenes Wesen wissen. Wir ahnen zwar, dass wir »eigentlich« ganz anders sind, aber irgendwie kommen wir so selten dazu, wie Ödön von Horváth es ausgedrückt hat.

Mit anderen Worten: wir selbst sind es, die uns im Leben ständig im Weg stehen. Damit liegt es auf der Hand, einfach zu untersuchen, was wir da genau tun. Das ist die ganze Kunst, nicht zu fragen, wie wir sein können, wie wir es gerne hätten, sondern zu erkennen, wie wir uns selbst Knüppel zwischen die Beine werfen.

Wenn man dies erkannt hat, dann ist der Satz von Vernon Kitabu Turner»Die Meisterschaft war schon immer da, ich musste ihr nur aus dem Weg gehen« ohne weiteres verständlich.

Und das soll alles sein? Das ist es tatsächlich und ist dabei schon schwierig genug, bedeutet es doch, die über Jahre hinweg gepflegten Überzeugungen von sich und jegliche Selbstbezogenheit aufzugeben. Denn das, worauf wir uns gemeinhin beziehen, ist nicht unser Wesen, sondern das, was wir irrigerweise dafür halten.

Entscheidend ist die unbeirrbare, die ganze Existenz umfassende Absicht, wesentlich und wahrhaftig zu sein. Ist es nur eine Absichtserklärung und ein Lippenbekenntnis, oder ist es ein wirklicher Herzenswunsch? Den Unterschied zwischen »es wirklich sein wollen« und dem »es wäre erstrebenswert« wird in der Haltung sichtbar, die alle Bereiche des Lebens er- und umfasst. Diese Haltung lässt sich beschreiben, wobei sie für jeden anders ist, wenn auch in zentralen Aspekten gleich. Kein Gentleman der alten Schule wird gleich sein und doch ist ohne weiteres das Gemeinsame feststellbar.  

Interessanterweise ist es meist wirkungslos, wenn man jemandem diese Haltung zu vermitteln oder zu erklären versucht, entscheidend ist die eigene Einsicht, die in einem das Bedürfnis hat wachen werden lassen, eben diese Haltung zu leben. An diesem Punkt wird deutlich, dass es keinen Weg zum wesentlich oder wahrhaftig sein gibt, man muss es sein.

Das ist dieses »sei es einfach« oder »mach!«, das einem so wunderbar auf die Nerven gehen kann, weil es einem unmittelbar die inneren Widerstände klar macht, die man nicht wirklich wahrhaben will. Kostet uns die Selbstüberwindung doch nicht das Leben, aber das Ego.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.