Die Sache mit der Welt in uns und um uns herum

Wir erleben eine innere und eine äußere Welt. Doch welche ist jetzt wirklicher oder wahrer? Wie bringen wir die innere Welt und die äußere Welt in Übereinstimmung?

Garnicht. Es ist nämlich ein und dieselbe Welt, die wir da erleben. Absolut kein Unterschied. Und genau so verhalten wir uns auch. Das Dumme ist nur, dass wir uns dabei selbst fürchterlich auf dem Leim gehen. Was wir nämlich zu sehen glauben, existiert für uns auch tatsächlich genau so. Innen und außen sind für uns eben eins. Was wir glauben, dass es existiert, tut das auch für uns. Aber eben nur für uns.

Einstein hat das – wie viele andere Quantenphysiker auch – ganz grundsätzlich erkannt. Der Einzelne, sagt er, erfährt sich selbst, seine Gedanken, seine Gefühle als etwas vom Rest Getrenntes. Er nennt das eine Art optischer Täuschung des Bewusstseins. Mit anderen Worten: Eine Illusion.

Eine Illusion hält man solange für wirklich, bis man erkennt, dass es einfach nicht stimmt. Wir sagen normalerweise, wir wären auf eine Sinnestäuschung hereingefallen, doch tatsächlich ist es eine Bewusstseinstäuschung. Es ist wichtig, sich immer wieder darüber im Klaren zu sein, dass wir beispielsweise kein Auto sehen, sondern nur eine optische Information über die Augen in unserem Gehirn ankommt, die dann mit den in unserem Archiv gespeicherten Erinnerungen verglichen wird, bis wir sagen ‚aha, ein Auto!‘ Doch wir ‚sehen’ kein Auto, ein Auto wird es erst im Bewusstsein.

Wie wir überhaupt dazu kommen, ein Auto als Auto zu erkennen, wie wir also diese Erinnerung generiert haben, ist nochmal ein anderes Thema. Fakt ist, ein Auto wird es immer erst in einem rein geistigen und internalen Prozess. Die Frage, könnte man annehmen, ist also, wie die Welt in meinen oder Ihren Kopf kommt. Wichtig ist aber erst einmal nur zu wissen und sich immer wieder klar zu machen, dass die Welt ausschließlich im eigenen Bewusstsein entsteht.

Bei einem Auto ist das meist nicht so bedeutsam, da beschränkt es sich dann meist auf ein ‚gefällt mir‘ oder ‚gefällt mir nicht’. Und gut ist es. Nur wenige können sich darüber streiten, ob ein Auto jetzt schön ist oder nicht. Doch es wird ziemlich bedeutsam, geht es um unsere Sicht (!) auf andere Menschen.

Warum jemand etwas tut oder nicht tut, können wir definitiv nicht wissen. Absolut nicht. Alles Wissen über andere ist erst einmal nur Erinnerung, die sich aus Erfahrungen zusammensetzt, und das sind eben keine Tatsachen und keine Wirklichkeit, sondern es sind Interpretationen. Zwar liegen wir damit oft einigermaßen richtig, wenn wir die Person gut kennen und es sich um alltägliche Dinge handelt.

Wer ein Brot ist und normalgewichtig ausschaut wird wohl Hunger haben. Ist es ein Kuchen und der Essende richtig dick, dann gibt es scheinbar schon mehr Interpretationsmöglichkeiten. Aber eines ist sicher: Auch er hat wahrscheinlich nur Hunger! Nur eben auf Kuchen und nicht auf ein Brot. Und dass er dick ist lässt ihn nicht weniger hungrig sein.

Was machen wir also? Wir lösen das Verhalten von dem eigentlichen Kontext, den wir nur sehr, sehr selten wirklich kennen und mischen eine Interpretation mit hinein. Wissen können wir nur, dass, wer ißt, Hunger auf das hat, was er ißt. Der Rest ist Interpretation bis hin zur Spekulation.

Selbst wissen können wir also nur wirkliche Fakten. Er ißt. Und damit sind wir schon am Ende unseres Wissens. Mehr können wir nur dann wissen, wenn uns der andere erzählt, was ihn zum Essen veranlasst hat. Wie gesagt, im normalen Alltagsleben liegen wir mit vielen unserer Interpretationen nicht wirklich falsch und ohne sie wären wir auch ziemlich aufgeschmissen.

Doch wir müssen ganz genau aufpassen, wann wir uns ein großes Stoppschild aufstellen müssen. Immer dann, wenn wir den anderen nicht verstehen, wozu auch sein Verhalten gehört, müssen wir schleunigst aufhören, ihn zu interpretieren und stattdessen vielleicht fragen, warum er das denn macht, was er gerade macht. Aber bitte nicht gleich wieder die Kommentarmaschine anwerfen! Die sollten wir sowieso auf den Schrottplatz bringen. Es sei denn natürlich, wir werden um einen Kommentar gebeten. Aber wann passiert das schon?

Wenn wir in unserer Sicht der Dinge, also unseren Interpretationen übereinstimmen, ist erst einmal als gut. Jedenfalls für uns. Dass wir übereinstimmen, etwa in einem politischen Kontext, heißt ja noch lange nicht, dass wir das Ganze wirklich erfasst haben. Wenn wir aber nicht übereinstimmen, und uns der andere wichtig ist, dann müssen wir – und ich denke, das ist wirklich absolut notwendig – sehr schnell in den Dialogmodus wechseln.

Sinn, und darum geht es ja, und nicht etwa um das Recht haben, Sinn können wir nur im Dialog und das nur gemeinsam finden. Außer natürlich, es geht um technische Dinge, etwa, wie man eine Waschmaschine bedient.

Aber Menschen sind nun mal keine Waschmaschinen. Gott sei Dank nicht.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.