Die Wirklichkeit eines Gedanken

Denken geschieht unmerklich auf einer dem Bewusstsein unmittelbar nicht zugänglichen Weise. Immer wieder jedoch wird es uns bewusst als ein Gedanke.

Bringen wir einen solchen Gedanken zu Papier, dann ist das ursprünglich Gedachte, das ja nur etwas Geistiges ist, längst erloschen. Auch der Gedanke selbst existiert nicht mehr, sondern nur noch Worte auf dem Papier.

Werden diese Worte gelesen, so entsteht wieder Gedachtes und daraus wieder ein oder mehrere Gedanken. Diese sind jedoch nicht mehr das ursprünglich Gedachte und dürfen damit nicht verwechselt werden, sondern sie sind etwas Neues, das nur scheinbar mit dem Vorherigen identisch ist. Nicht anders ist es, wenn wir etwas Vergangenes erinnern. Die Erinnerung existiert ja nicht in der Vergangenheit, sondern ist eine Geistkreation in diesem Augenblick. Nichts existiert außerhalb dieses einen Augenblicks.

Daher ist die Erinnerung niemals dasselbe wie die vergangene Erfahrung oder das damalige Erleben, sondern nur noch etwas Gleiches, Entsprechendes und oft auch das nicht. Und genauso wie eine Erinnerung trügerisch und dem Ursprünglichen manchmal oder vielleicht sogar meist nicht mehr entspricht, kann auch das Verständnis für einen schriftlich fixierten Gedanken weit von dem Verständnis abweichen, das dem ursprünglichen Gedanken zugrunde lag.

Niemals können wir daher sicher sein, in dem, was wir schreiben, auch verstanden zu werden. Sprachliche Klarheit, begriffliche Präzision und semantische Korrektheit ebnen den Weg zum Verständnis.

Den Weg aber muss der andere gehen. Tut er dies, dann kann geschehen, was ich die Begegnung im Geist nenne. Wenn wir uns ganz auf einen Text einlassen, uns von ihm auslegen und von ihm ergreifen lassen, dann vermögen wir den materiellen Gehalt der Worte und Begriffe, die Oberfläche der Sprache zu transzendieren und das Denken entstehen lassen, das dem ursprünglich Gedachten folgt.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.