Die Zwickmühle

Das Dilemma, in dem sich viele Menschen wähnen, nämlich der Frage, wie man aus seinem alten Trott und dem eingeschränkten Denken herauskommt, ist tatsächlich keines. Es geht nämlich nicht darum, nach der richtigen Strategie zu suchen, sondern sich darüber im Klaren zu sein, wie man ‚eigentlich’ tickt. Dann ist es nämlich ganz einfach.

Gehen wir einmal davon aus, wir wollen etwas in unserem Leben ändern. Wir überlegen uns dann normalerweise, was wir tun müssen, um dieses oder jenes erreichen zu können. Oder aber wir überlegen, was an dem bisherigen Verhalten nicht wirklich hilfreich war. Eine gängige Alternative ist auch über beides nachzudenken. Die spannende Frage ist, warum das aber letztlich so selten wirklich funktioniert.

Das liegt nicht an der Methode, sondern in der Regel an der eigenen Unwissenheit darüber, wie wir uns organisieren. Bedenkt und vor allem beachtet man das nicht, dann wird es schwierig und manchmal auch einfach unmöglich, trotz all der gut gemeinten Anstrengungen. Viele sagen ja, dass sie wollen, aber sie bekommen es einfach nicht hin. Woran also liegt das?

Methoden sind, jedenfalls die meisten sind es, nicht mehr als ein Manipulationstrick, den man anwendet, um die inneren Widerstände des Probanden ‚auszutricksen’. Oder, vornehmer ausgedrückt, zu umgehen. Ich habe es aber nicht so sehr mit den Methoden, denn die Grenze zur Manipulation ist fließend, vor allen Dingen dann, wenn man sie nicht vorher erklärt und sie dann auch noch nicht mehr ‚funktionieren’. Und weil ich nicht manipuliert werden möchte, manipuliere ich auch niemanden, jedenfalls nicht bewusst und nicht willentlich.

Die Schwierigkeit besteht ganz einfach darin, dass sich nur die wenigsten Menschen Gedanken darüber machen, wie sie eigentlich denken. Wie funktioniert unser Denken überhaupt? Eine nicht einfach zu beantwortende Frage. Gibt es eine Menge Bücher dazu. Hat man die dann gelesen, ist man zwar wesentlich schlauer und eher bereit, gleich aufzugeben, weil man immer noch nicht weiß, wie man die Hürden am besten überwinden könnte. Etwa die Tatsache, dass wir uns selbst immer glauben. Was ja auch logisch ist, denn auch der, der an sich selbst zweifelt, glaubt ja fest und meist unbeirrbar daran, dass er einen guten Grund hat, an sich selbst zu zweifeln. Und die weitere Tatsache, dass wir nur dann werden ‚anders‘ denken können, wenn wir unser Gehirn neuronal neu organisiert haben.

Das ist eines der wesentlichen Funktionsmerkmale unseres Gehirns, das unser Denken beharrlich immer wieder in die alte Richtung lenkt. Warum das so ist, ist letztlich irrelevant, wirklich entscheidend ist zu wissen, dass es definitiv so ist. Wie also können wir unser Gehirn neu organisieren? Das ist die entscheidende Frage! Gestalten wir unser Leben wie bisher, wird es mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch sein wie bisher. Nichts wird sich ändern.

Wir wissen noch sehr, sehr wenig über die ‚Kohlenstoffeinheit Mensch‘, andererseits können wir selbst unmittelbar erleben, was funktioniert und was nicht. Also gilt für uns der ganz einfache Satz, wenn etwas anders werden soll, muss es anders werden. Solange wir nicht anders leben, wird definitiv nichts anders werden. Das muss uns klar sein. Wenn wir dann noch berücksichtigen, dass wir ja fest von dem überzeugt sind und für absolut richtig halten, was wir denken, dann müssen wir uns überlegen, wie wir aus diesem Dilemma herauskommen können.

Dabei sind, wie so oft, die besten Erfahrungen diejenigen, die ein anderer schon gemacht hat und mit denen er erreicht hat, was er erreichen wollte. Also frage ich mich, was haben Zen-Meister wie Quantenphysiker gleichermaßen gedacht, dass sie auf die gleichen Gedanken gekommen sind. Anfangen tut es möglicherweise damit, dass sie nicht anderen glauben, sondern die Wirklichkeit selbst untersuchen, wobei sie sich aber von anderen anleiten lassen. Jeder Gedanke wird selbst verifiziert und nicht einfach nur geglaubt, weil andere das so sagen. Dazu gehört die Bereitschaft, auch das haben beide gemeinsam, die eigene Ansicht, die eigene Meinung immer wieder infrage zu stellen und zu überprüfen.

Und noch etwas haben Quantenphysiker und Zen-Meister (wobei ich mich hier immer nur auf die ‚Alten‘ beziehe, denn, über die habe ich gelesen) gemeinsam. Sie wollten nämlich nichts über sich herausfinden, sondern sie wollten die Wirklichkeit ergründen und erkennen – und nicht sie selbst. Dass sie dabei letztlich sehr viel über sich selbst erkannt haben, ist eine Folge, aber nicht der Ausgangspunkt. Das ist vielleicht die große Zwickmühle, in der viele Menschen stecken. Denn die meisten wollen doch nur etwas über sich selbst erkennen und nicht über die Wirklichkeit. Gehen wir aber von einem egoistischen Gedanken aus, dann ist das eine Grenze über die wir in unserem Denken nicht hinauskommen können, solange wir Egoismus und Selbstbezogenheit nicht aufgegeben haben.

Doch das ist letztlich nur der Anfang. Wir wissen heute auch, dass unser So-sein, also unser ganzes Leben, sich nicht in Denken und Tun trennen lässt. Denken und Tun gehen immer Hand in Hand, sie bedingen sich gegenseitig. Denken ohne zu entsprechend zu handeln ist eine Luftnummer, genauso wie etwas zu tun ohne zu denken, ohne von dem überzeugt zu sein, dass man tut. Es kommt also noch etwas hinzu, die Überzeugung oder Notwendigkeit. Fehlt diese, driften Denken und Tun auseinander, sie verlieren ihren inneren Zusammenhalt. Die Folge ist, wir selbst werden diffus, nicht greifbar und verlieren uns in Beliebigkeit und Oberflächlichkeit.

Wir müssen also zum einen diese ganz einfachen, zentralen Punkt wissen, dass Überzeugung oder Notwendigkeit mit Denken und Tun übereinstimmen muss; genauso aber müssen wir wissen, wie wir die Hürde überwinden können, dass wir absolut glauben und für richtig halten, was wir denken und dass anders zu denken bedeutet eine andere Gehirnstruktur auszubilden. Hält man sich das vor Augen, wird im selben Augenblick klar, was man tun muss, wenn sich etwas im eigenen Leben ändern soll.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.