Du bist, was du denkst

Aber ist es wirklich so einfach?

Ja, es ist so einfach. Und so kompliziert. Oder anstrengend. Oder beides. Oder keines von beidem. Oder keines von allem. Warum das so ist? Es ist eben eine Frage des Geistes, eine Frage dessen, was man und wie man denkt.

Der gedankliche Ausgangspunkt von Erfolg ist der Misserfolg, der von Gesundsein das Kranksein. Und so weiter und so fort. Versuchte schon der alte Laotse den Menschen klar zu machen. Denkt man an das Glück, schon ist auch das Unglück geboren. Mache ich mir Gedanken über etwas, ist auch das Gegenteil aktiviert, sozusagen der Hintergrund, den der sprachliche Begriff braucht, um existieren zu können. Das gilt sowohl für die Sprache wie für das Nachdenken.

Denken wir über die Zukunft nach, denken wir auch in einem vergangenen Kontext. Nach ist nun einmal nach. Jedenfalls fast immer, selten ist es eine sprachliches Dilemmata, aus dem man nicht herauskommt.

Doch wenn wir ‚nur‘ denken, ohne dass dabei etwas über den Bewusstsein genannten Bildschirm flimmert (das ist eben so mit den Bildern, sie sind nie neutral, sie lösen immer irgendwelche Assoziationen aus) und auch kein Gefühl und keine Emotion uns irgendwohin zerrt, lenkt oder ablenkt (etwas zu empfinden ‚geschieht‘ sozusagen auf der Soundanlage, nur oft ganz, ganz leise gestellt), also wenn wir ‚nur‘ denken, dann wissen wir genau genommen nicht, worüber wir eigentlich denken.

Es ist eben so eine Sache mit dem Denken durch Nicht-Denken. Etwa in der Meditation, zum Beispiel. Da sind der Bildschirm und die Soundanlage des Gehirns ausgestellt beziehungsweise auf ganz leise herunter geregelt. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass alles im grünen Bereich wäre. Man bekommt nur nicht mit, was da abgeht.

Ziemlich blöd, oder nicht? Also bleibt einem nichts anderes übrig, als vorher einen absolut gründlichen Hausputz durchzuführen. Eigentlich mehr. Viel mehr. Sehr viel mehr sogar! Wir müssen aus unserem Denksystem alles rauswerfen, was da nicht hingehört. Und das ist wie bei einer Trennung.

Da ist so manches liebgewonnene Stück, das man eigentlich doch lieber behalten würde. Und die eine oder andere Erinnerung, die einen irgendwie festhält und einem den Abschied so schwer macht.

Und genau daran scheitert es oft. Man will sich etwas bewahren. Nur dass man sich dessen nicht bewusst ist, man sieht es nur daran, dass man auf der Stelle tritt. Da haben es doch die gut, die alles hinter sich lassen können oder denen alles hops gegangen ist.

Aber nach wohin auch immer auszuwandern ist ja nicht wirklich die Lösung. Ein Alkoholiker bleibt ein Alkoholiker, auch wenn er keinen Alkohol mehr in seiner Nähe hat. (Womit ich nicht gesagt haben will, dass das so bleiben muss.) Und ich esse immer noch zu leichtfertig Schokolade, auch wenn keine da ist. Änderung mangels Gelegenheit? Funktioniert nicht wirklich. Scheint nur so.

Also bleibt einem nichts anderes übrig, sich aller Rituale, Traditionen und Gewohnheiten wirklich bewusst zu werden. Aber natürlich nicht nur mal eben so, sondern man muss ihnen wirklich auf den Grund gehen. Und meist geht es dann noch einmal tiefer. Nur eins darf man nicht haben, das ist die Angst vor den Leichen, die dabei zum Vorschein kommen können. Oder werden.

Aber warum genügt es nicht, sich einfach auf das zu konzentrieren, was man denkt? Weil eben gerade auch in den Ritualen, Traditionen und Gewohnheiten unsere Gedanken stecken. Genau genommen sind es unsere Gedanken.

Die Räume, in denen du lebst, sind, soweit du selbst sie gestalten kannst oder zumindest darauf Einfluß nehmen kannst ein Spiegelbild deiner Gedanken. Aber räume jetzt nicht hektisch auf, sondern mache dir erst einmal bewusst, was da in Wirklichkeit dahinter steckt. Das herauszufinden braucht manchmal ein wenig Zeit. Der Groschen klemmt oft ein bisschen. Aber nur mal eben schnell aufräumen ist eben aufräumen und kein Bewusstwerdungsprozess.

Doch genau darum geht es. Erst Bewusstwerdung, dann bewusst sein. Einfach wissen, was man tut, aber ohne warum und wieso. Ist für die meisten ein Überwindung – und keine Herausforderung. Denn es geht ganz einfach. Ohne Übung. Man muss es nur praktizieren. Und natürlich das Ego zum Teufel schicken. Übrigens, man darf den Begriff ‚Räume‘ nicht zu klein denken. Unseren persönlicher Raum haben wir immer dabei. Auch auf dem Marktplatz.

Wie gesagt: Du bist, was du denkst.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.