Eigensinn statt Mainstream

Doch was ist eigentlich ‚Eigensinn‘?

Wenn ich es einmal wörtlich nehme, dann geht es wohl darum, den eigenen Sinn zu finden, also meinen Sinn, den ich in meinem Leben zu finden vermag. Doch das bedeutet nun nicht, dass ich tun und lassen könnte, was ich will. 

Als erstes bedeutet es ganz offensichtlich – und vor allem ganz pragmatisch -, sich aus der Umklammerung durch Übernommenes zu lösen und das, was man nie vergessen darf, selbst errichtete gedanklich-geistige Gefängnis zu verlassen. Doch wieder zum Eigenen und eigenständigen Wahrnehmen und Denken zu finden ist nur ein erster, wenn auch unverzichtbarer Schritt, eben das Verlassen des inneren Gefängnisses.  

Doch diesen Schritt machen die nicht, die das Land der Freiheit außerhalb ihres Gefängnisses nicht zu sehen in der Lage sind, die keine wirkliche Perspektive haben; also die, die den eigenen Weg noch nicht gefunden haben. Was bleibt ihnen auch als Fatalismus oder Wut auf die scheinbare Ungerechtigkeit des Lebens?

Die Suche nach dem Sinn ist der zweite Schritt. Und es ist wie beim Gehen, nur durch zwei aufeinanderfolgende instabile Bewegungen wird eine stabile Bewegung daraus.

Was das ‚Eigen‘ bedeutet, lässt sich leicht erkennen, bei dem Sinn ist es schon schwieriger. Denn der Sinn, den wir idealerweise suchen, ist weder etwas ganz persönliches noch ist es etwas, das wir im Außen finden könnten. Es ist etwas Immanentes, das über uns hinausweist und gleichermaßen auch auf uns hinweist.

Betrachten wir es einmal ganz technisch, dann bin ich als Mensch ja auch nur ein Aspekt des Ganzen. Ich funktioniere nach dem selben Prinzip wie alles andere auch. Ich bin erst einmal genauso Welt wie jeder Hund und jede Katze, aber auch wie jeder Wurm und jeder Baum. Also, erst einmal nichts Besonderes.

Den eigen Sinn zu finden, heißt also erst einmal, sich selbst wieder zu finden, nicht als Individuum, sondern eben als ein Aspekt des Ganzen. Nichts Besonderes, außer natürlich, dass dieser ganze Kosmos wirklich gigantisch ist. Unvorstellbar fantastisch. Aber darauf brauche ich mir nichts einzubilden, das kann die Amöbe auch, denn sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil von dem Ganzen.

Wenn ich mich mal körperlich sehe, aus was bestehe ich denn? Auch nicht so erbaulich, oder? Also nix mit Sternenstaub, ganz normaler (?) Erdenstaub und was daraus so werden kann. Wobei Sternenstaub und Erdenstaub ja wohl das Selbe sind …

Suchen wir also ,unseren‘ Sinn im Leben, müssen wir erst einmal begreifen und verstehen, was wir sind und vor allem wie wir überhaupt funktionieren. Viele, die nach dem Sinn des Lebens suchen, suchen ja nur nach dem, das in der Lage sein könnte, ihnen Bedeutung und Größe zu vermitteln und den Nimbus des Einzigartigen und Einmaligen verleihen könnte. Aber wir sind nun mal nicht einmaliger als jeder Pfau, auch nur ein Aspekt des Ganzen. 

Sinn können wir also nur dann finden, wenn wir uns als Aspekt des Ganzen sehen, wenn wir unseren Weg im Einklang mit dem Ganzen zu gehen suchen. Bevor wir also Sinn überhaupt finden können, müssen wir in Einklang mit allem kommen, müssen wir den Lauf der Zeit verstehen, verstehen, warum es richtig und falsch nicht gibt und das alles seine Wirklichkeit hat. Ganz schön herausfordernd, gleichwohl, es hat definitiv etwas!

Aber das ist alles irgendwie logisch. Wie soll ich mich finden oder den Sinn in meinem Leben erkennen können, wenn ich mich selbst nicht erkennen kann in dem, was und wie ich bin?

Es scheint wirklich dem Menschen nur eine Hoffnung gegeben, zwar nicht die Welt  und die Anderen, aber wenigstens sich selbst einigermaßen ändern und bessern zu können, und auf denen, die das tun, beruht im Geheimen das Heil der Welt.

Hermann Hesse

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.