Ein bisschen Ordnung bitte!

Wollen wir die Welt, also unsere Welt in Ordnung bringe, sollten wir zu aller erst Ordnung in unser Verständnis vom Gehirn und seinen Funktionen bringen.

Solange wir das nämlich nicht haben, tappen wir im Dunkeln. Ist doch auch logisch! Wir können weder unsere Gefühle oder Emotionen, noch unsere Gedanken in ihrer Bedeutung erfassen, solange wir nicht wissen, wie Wahrnehmung, Denken, Emotionen, Gefühle und Bewusstsein zueinander in Beziehung stehen.

Wer zuerst kommt, malt zuerst. Alter (blöder) Spruch, der hier aber eine interessante Bedeutung hat. Wenn ich – korrekterweise – davon ausgehe, dass mein Denken, meine Emotionen und meine Gefühle auf meiner Wahrnehmung basieren, dann kann ja mein Denken und leider auch meine Emotionen und letztlich mein Bewusstsein irgendwie nicht stimmig sein, wenn ich einem Wahrnehmungsfehler aufgesessen bin.

Das Tückische dabei ist nur, dass wir das oft wissen wie auch denken und ganz selbstverständlich sagen ‚habe ich schon kapiert, mach ich nicht mehr‘, dabei aber nicht merken, dass wir es eben doch tun. Es ist eben wirklich vertrackt mit dem Bewusstsein. Ein absolut exzellenter Schauspieler. Macht uns doch glatt ein X für ein U vor.

Aber das wissen wir schon längst. Die wirklich interessante Frage ist, ob wir das auch berücksichtigen. Ich denke bei den meisten ist ein klares ‚nein‘ angezeigt. Wie soll man aber mit jemand reden, vielleicht sogar dialogisch reden können, dessen Denken, Gefühle, Emotionen und all das, was ihm bewusst ist, auf einem grundsätzlichen Wahrnehmungsfehler beruht? Es geht einfach nicht!

Solange man eine unterschiedliche Wahrnehmung hat, redet man zwangsläufig aneinander vorbei. Das Dumme ist nur, dass, hat man den selben Wahrnehmungsfehler, einem nichts anderes bleibt, als 1), man bleibt schön brav in unverfänglicher, netter und freundlicher Konvention, ergeht sich in Oberflächlichkeit und theatralischen Gefühlen, oder 2) man haut sich die gegenseitigen Argumente um die Ohren oder, auch eine beliebte Alternative, 3) man geht sich, leicht die Nase rümpfend, aus dem Weg.

Funktionierende Gesellschaften haben ein gemeinsames Commitment, eine selten ausgesprochene und auch selten bewusste Annahme über Wirklichkeit. Mit so ein paar anders Denkenden kommt man schon klar, das gehört dazu, das muss man als Gesellschaft abkönnen, tolerieren. (Bedeutet übrigens ‚erdulden und ertragen‘.) Problematisch aber wird es, wenn das Commitment einen Wahrnehmungsfehler einschließt. Dann trennt sich die Welt in die, die richtig und die, die falsch denken. Dumm nur, dass möglicherweise oder eher wahrscheinlich beide falsch denken.

Dieses ‚richtig‘ und ‚falsch‘ ist derart in unserm Denken verwurzelt, dass wir es überhaupt nicht mehr merken. Dabei kommt es immer nur darauf an, was wir und wie wir überhaupt denken. Wir fragen üblicherweise lieber, als dass wir denken würden. Selbst reflektieren.

Aber wahrscheinlich würden die meisten Menschen in tiefen Trübsinn verfallen, würden sie ihr Leben wirklich einmal reflektieren, sich genau anschauen, was sie da machen. Langer Rede kurzer Sinn: Ordnung in sein Denken zu bringen heißt erst einmal sich klar darüber zu werden, wie Denken geschieht, also die Ordnung erkennen. Schönes Paradox, nicht?

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.