Einer wie alle

Wir Menschen bilden uns ja sehr, sehr viel darauf ein, anders zu sein als die anderen. Nun, Sie vielleicht nicht, aber ich war so. Erfolg, so wie wir ihn üblicherweise definieren, beruht ja genau darauf, anders zu sein.

Eben besser, schneller, höher, weiter. Und wenn manche ganz bescheiden leben, nichts Besseres wollen als alle anderen, nicht mehr Geld oder Status, dann haben die aber oft oder meist den Hang, moralisch die Besseren sein zu wollen. Unser gesamtes Wirtschaftssystem basiert darauf.

Dazu braucht man vor allem eins: Die Überzeugung, ein Individuum zu sein, man muss sich von den anderen irgendwie abgrenzen können, seine Individualität herausstellen und leben. Viele Menschen leben übrigens genau davon, das zu unterstützen und zu fördern. Und das auch oft noch mit guter Absicht.

Doch leider ist das genau das Falsche. Richtiger, weil zielführender wäre den Menschen zu erklären, warum sie nicht nur alle ziemlich gleich sind, sondern warum sie das in sich differenzierte Eine sind. Die Individualität bliebe uns dabei natürlich erhalten, aber sie hätte eine ganz andere Basis und damit wäre es eine andere Art von Individualität.

Stellen Sie sich einmal einen jungen Mann vor, vielleicht 25 Jahre alt, sportlich, schlank, so richtig vor Lebenskraft strotzend. Jetzt stellen Sie einen anderen, gleich großen und gleichaltrigen Mann daneben. Der aber ist weder sportlich, noch schlank und auf vor Lebenskraft strotzt er wirklich nicht. Er ist hingegen eher trübsinnig und richtig fett.

Die beiden Männer unterscheidet nichts wirklich, wobei mir jetzt einmal eine Disposition durch Gene und Memetik ausklammern, so langsam kommen wir ja dahinter, dass Gene uns wesentlich weniger bestimmen, als wir bisher geglaubt haben.

Nehmen Sie beispielsweise meinen Bruder und mich. Wir sind in derselben Familie aufgewachsen, haben dieselben Eltern, als Kinder das gleiche soziale Umfeld gehabt und sind doch so verschieden, wie man verschiedener nicht sein könnte. Natürlich unterscheiden wir uns auch körperlich, es sieht ganz anders aus als ich, andere Haare und so.

Aber unterscheiden wir uns wirklich voneinander? Sind wir nicht im Grunde vollkommen baugleich? Nicht nur, dass wir die gleiche Anzahl Organe haben, oder die gleiche Skelettstruktur, wir funktionieren auch ziemlich gleich. Was also macht den Unterschied?

Mein Bruder und ich haben uns, genauer unser Gehirn, vollkommen anders organisiert; wir denken auf eine ganz andere Art und Weise, haben ein vollkommen unterschiedliches Bild von der Welt und von uns selbst und dementsprechend haben wir vollkommen unterschiedliche Leben gelebt, jedenfalls bisher.

Dass wir so anders und so unterschiedlich sind, hat also nichts mit irgendeiner körperlichen Prädisposition zu tun, sondern alleine damit, wie wir auf unsere Umwelt reagiert haben, was wir für bedeutsam hielten. Unsere ganze Unterschiedlichkeit beruht also alleine in der Art und Weise, wie wir denken.

Also brauchen Sie sich nur zu fragen, wie Sie sich genau organisieren und vor allen Dingen, wie Sie das bewerkstelligen, und Sie wissen genau, warum Sie exakt so sind, wie Sie sind. Sie wollen anders leben? Dann organisieren Sie sich anders! Sie wollen ganz anders sein? Dann organisieren Sie sich anders! Also machen Sie sich nicht so viele Gedanken, sondern seine Sie einfach anders.

Doch das ist keinesfalls eine Einladung, einmal darüber ‚nachzudenken’, warum Sie so sind, wie Sie sind. Das ändert nämlich überhaupt nichts, ändern wird sich erst dann etwas, wenn Sie anders sind! Denken Sie also nur darüber nach, wie Sie sein wollen, definieren Sie das genau – und dann organisieren sie sich entsprechend! Der Rest geschieht dann ganz von alleine.

Vergessen Sie bitte nur nicht, dass das nicht bedeutet, dass Sie jetzt Ihre Schränke aufräumen! Vielmehr bedeutet es, dass Sie anders kommunizieren, in diesem Fall mit sich selbst. Was kommt nach dem denken? Das Selbstgespräch! Achten Sie also genau darauf, wie Sie kommunizieren – mit den anderen, vor allen Dingen aber auch mit sich selbst!

Etwa die Schränke aufzuräumen wird dann eine Folge sein, aber mit einer ganz anderen Intention.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.