Einfach blöd!

Alles Wichtige muss man selber machen. Nicht einmal, das einem jemand sagen könnte, wie man eigentlich so ist.

Naja, ganz stimmt das nicht. Eigentlich kann man jemandem schon ganz viel sagen, wer er als Mensch eben so funktioniert. Also ganz technisch gesehen. Wie sein oder ihr Gehirn eben so funktioniert. Welchen Stellenwert Gedanken, Gefühle und all das andere haben, was das Gehirn so produziert.

Welchen Werten man aber folgt, da hört es dann schon auf. Wie kann mir jemand sagen, welchen Werten ich folge? Dazu müsste er oder sie ja die eigenen Werte erst einmal ablegen, denn das ist ja die Brille, durch die man mich wie alles andere sieht. Anhören kann ich mir das zwar, doch die ultimative Entscheidung, die liegt bei mir.

Und welcher Weg im Leben der richtig ist, das ist auch meine ganz persönliche Entscheidung. Selbst angesichts der Tatsache, dass wir Menschen in Wirklichkeit nicht von einander getrennt sind, sondern im Verbund oder besser in Einheit mit der Welt ein einziger Organismus sind.

Und weil der selbstorganisierend ist, kommt es absolut darauf an, was jeder Einzelne so denkt und tut. Oder eben auch nicht. Und, wie gesagt, keiner sagt einem, was denn jetzt richtig wäre. Kein Guru, kein Lehrer, nicht einmal Freunde oder Partner können das. Und wenn sie es doch versuchen, wird es nur noch schlimmer.

Wir können von uns nicht mehr als so eine Art Konstruktionsanleitung bekommen. Nicht auf einmal, sondern die wird mit Wissen immer konkreter, dichter und komplexer. Aber die Frage, die eigentlich alle beantwortet haben wollen, nämlich wie oder wer und was wir sind, die bekommen wir nicht beantwortet.

Warum nicht? Einfach deshalb nicht, weil die Welt, die ich sehen kann, also auch mich selbst, eben nur und ausschließlich im eigenen Kopf existiert. Sobald ich ein Bild von mir zu erkennen suche, sind alle anderen draußen. Also was gibt es dann Besseres, als nichts mehr zu erkennen zu suchen?

Dumm gelaufen, könnte man da sagen. Denn wer nichts weiß oder noch schlimmer  etwas Unzutreffendes denkt (Falsches darf man ja auch nicht mehr sagen), der macht ja trotzdem nichts Gescheites, auch wenn er nicht darüber nachdenkt.

Also muss man ganz viel darüber nachdenken, damit man am Ende nicht mehr darüber nachdenken muss? Ich glaube, so ungefähr ist das. Nur, man muss über das Richtige nachdenken. Und nicht nur das, man muss vor allem auch das Richtige tun. Nur das hinterlässt die (für einen selbst) richtigen Spuren in der Welt, nur das gestaltet die Welt, wie man es sich vorstellt.

Das ist die Kröte, die wir schlucken müssen. Wenn wir die Welt sind, dann ist die Welt eben auch so, wie ich bin. Sie wissen ja, das Sandkorn, das der Strand ist.

Wie aber kann ich sein, was ich bin, wenn ich nicht weiß, wie ich bin? Sieht nach einer wirklichen Hängepartie aus. Muss es aber nicht sein. Also das, was ich bin und das ich sein will, das ist, wie ein Kaizen-Mensch sagen würde, die Kata, das ultimative Ziel. Wobei es wichtig ist sich darüber im Klaren zu sein, dass ich, wenn ich es genau bedenke, sehr wohl eine Ahnung davon habe, was und wie ich eigentlich bin. Und zwar immer!

Ödön von Horváth hat es ja so wunderbar formuliert: Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu. Genau, so ist es! Eigentlich wissen wir ganz genau, wie wir im Innersten sind – und nicht, wie wir sein wollen. Nur immer diese Zwänge! Und diese Gewohnheiten! Wie bekommt man die nur aus seinem Kopf heraus?

Ganz einfach. Man setzt sich ein klares Ziel. Ein Bild von dem, wie man das, was man eigentlich ist, umsetzt. Dazu nehme man die grundlegenden Prinzipien. Sie wissen schon:: Asymmetrie, Unkompliziertheit,,Würde, Natürlichkeit, Unergründlichkeit, Unbefangenheit, Stille.

Dann suche man sich eine äußere Form, die dem entspricht. Dann trifft man eine Entscheidung. Und dann praktiziert man das im ganz normalen und alltäglichen Leben.

Eigentlich gar nicht blöd. Sondern irgendwie einfach. Jetzt muss man nur noch die Leute finden, die dabei mitmachen. Alleine ist es irgendwie fad. Aber was soll´s, die Leute gibt es, man muss nur die Augen aufmachen!

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.

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