Entweder-oder

Im Zen oder mit Zen ist es ein bisschen so wie in der Ehe.

Wenn das alte Leben nicht mehr so ist, wie man es sich eigentlich vorgestellt hat, was kann man da tun? Eigentlich hat man vier Optionen. Ein echtes Tetralemma!

Entweder, man bleibt im Alten hängen und wird immer missmutiger. Oder man nimmt sich das Neue dazu wie eine Geliebte. Und die Unzufriedenheit bleibt – irgendwie. Man kann sich eben nicht zwischen dem Neuen und dem Alten entscheiden. Das gilt übrigens für beide dieser Fälle.

Oder man setzt sich zusammen, klärt, was nicht läuft und startet einen Neuanfang. Die Alternative ist, wenn der andere nicht mitmacht, man verlässt das Alte und geht seinen Lebensweg weiter mit dem Neuen. Das verlangt eine klare, eindeutige Entscheidung. Also ein Entweder-oder und kein Sowohl-als-auch.

Die beiden ersten Alternativen sind für mich, jedenfalls auf Dauer, nicht diskutabel. Wie sagt man so schön? Nicht Fisch, nicht Fleisch. Die beiden anderen Alternativen haben eine klare Botschaft und eröffnen neue Räume.

Man darf dabei nur nicht auf die Idee kommen, es wäre eine Entscheidung ‚entweder das alte Leben oder Zen’. Die Entscheidung ist nämlich tatsächlich entweder das alte Leben oder ein wahrhaftiges Leben! Das ist die Entscheidung, die man treffen muss!

Nur, dass man, wie bei jeder wirklichen Entscheidung, sich ernsthaft von dem Alten trennen muss. Will man gleichzeitig nach Berlin und nach Florenz fahren, wird man weder in Berlin noch in Florenz ankommen. Das ist übrigens auch der Fall, wenn man sich zusammensetzt mit dem Alten, also redet. Etwa über den Beruf oder Freunde. Denn es bedeutet ja nicht, alles hinter sich zu lassen! Sondern es bedeutet eben, alles neu zu definieren.

Vielleicht ist ja das die Angst der Menschen vor Neuem, nämlich, dass sie sich über alles Gedanken machen müssen. Sich über seinen Beruf, seine Freunde, seine Nachbarn, also über sein gesamtes Leben Gedanken zu machen ist ja genau das, was die meisten Menschen scheuen und wovor sie Angst haben. Eine Angst übrigens, die vollkommen irreal und unbegründet ist, denn es ist die Angst aus der Illusion; die Illusion, die erlischt, wenn man wesentlich geworden ist. Wo also soll da ein Problem sein?

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.