Erfolgsrezept

Erfolg kann man nicht planen. Aber man kann die bestmöglichen Bedingungen schaffen. Doch wofür? Für Erfolg?

Mittlerweile kommt es ja so langsam im Bewusstsein der Menschen an, dass sich lebendige Prozesse nicht planen und nicht vorhersagen lassen. Früher war das sicherlich ein wenig anders, einfach, weil die Businesswelt sich brav in methodischen oder gar in tayloristischen Strukturen bewegte. Nur ist das immer weniger möglich – warum auch immer.

Aber das private Leben war schon immer ziemlich unberechenbar und es wurde immer unberechenbarer, je mehr die gesellschaftliche Kontrolle dafür abhandenkam. Übrigens ein guter Grund, warum meine Eltern und ihre Generation einen Brass auf die 68er-Generation hatte. Die rüttelte gewaltig an den Konventionen der Elterngeneration.

Aber das war nur ein Effekt. Auslöser waren unter anderem (ohne Anspruch auf historische Genauigkeit) der Vietnamkrieg, die große Koalition, die Nazivergangenheit der Eltern, das Springerverlag-Monopol, die schlechte Situation an den Universitäten, der Schahbesuch und die Notstandsgesetze.

Ziel war die Offenlegung der nationalsozialistischen Vergangenheit derer in Amt und Würden (wie die der Eltern), die Wiederentdeckung des Marxismus als Alternative zu der verstaubten herrschenden Gesellschaftsform, die Anprangerung des imperialistischen Systems, die Verweigerung des Konsumfetischismus der Wohlstandsgesellschaft und die Forderung nach einer umfassenden Veränderung der Gesellschaft hin zu einer freieren Demokratie.

Die Mittel waren unterschiedlichste Formen des Protestes. Und der Effekt? Darüber lässt sich streiten, hat doch viele oder gar die meisten dieser Generation irgendwie und irgendwann der Alltag wieder eingeholt. Das Ergebnis entsprach jedenfalls nicht den wirklich angestrebten Zielen. Nicht anders ist es bei dem Thema Erfolg. Will ich Erfolg und tue alles tatsächlich oder vermeintlich Notwendige dafür, dann weiß ich nicht, was am Ende dabei herauskommt. Vielleicht ein angepasster Rechtsanwalt oder das klassische Stereotyp eines Managers?

Also sollte man sich sehr genau überlegen, was man anstrebt. Strebe ich statt des Erfolgs eine persönliche – im Gegensatz zur gesellschaftlichen – Lebensform an, dann ist das für mich fraglos erreichbar. Und ist es eine stimmige Lebensform, die mich authentisch, wesentlich und wahrhaftig sein lässt und die auf übergeordneten Prinzipien beruht, dann werden sich auch die nicht planbaren Effekte in genau diesem Kontext bewegen.

Der vielleicht wesentliche Unterschied liegt hier in der Unabhängigkeit. Natürlich leben wir immer in Abhängigkeit, aber meinen Geist, das, was ich denke, das gehört nur mir. Hier bin ich wirklich Chef im Haus. Also muss das das allererste zu erreichende Ziel sein.

Und noch etwas. Will ich meine persönlichen ‚Probleme‘ loswerden, beschäftige ich mich damit. Will ich ein Ziel oder einen Zweck erreichen, beschäftige ich mich damit. Also weg von Problemen, hin zu Zielen! Doch ich muss aufpassen, dass ich auch selbst in der Hand habe, was da passiert. Ich muss es also alleine bewerkstelligen können. Und das heißt sich klar zu machen, in welchen Beziehungen man steht und die einen am Vorwärtskommen hindern könn(t)en. Beschäftigt man sich hingegen mit den Problemen, sieht man nicht, was man sich bewahren will – es erscheint ja als etwas Positives.

Und genau deswegen bleibt so oft alles beim Alten. Wir dürfen die Welt nicht einfach in Positiv und Negativ aufteilen. Meist oder regelmäßig – um nicht zu sagen immer – ist nämlich beides da. Will ich also etwas in meinem Leben ändern, muss ich meine alte Welt hinter mir lassen – und mit ihr auch den Nutzen, den diese Welt mir brachte oder noch bringt. Darüber muss ich mir klar sein.

Warum das so ist? Weil wir selbstorganisierende Systeme sind, die sich immer in einem homöostatischen Zustand zu halten suchen. So hat auch vieles Negative bei genauer Betrachtung einen positiven Effekt – die Suche nach Wiederherstellung des gewünschten Zustandes. Doch was ist negativ und was ist positiv?

Das ist die entscheidende Frage. Die aber stellt sich dem System ‚Mensch‘ erst einmal überhaupt nicht. Der Bewertungsmaßstab liegt alleine in dem, was man für sich selbst als richtig oder falsch, als erstrebenswert oder eben nicht abgespeichert hat. Und dabei spielt es keine Rolle, ob das auch objektiv so ist. Wir entscheiden immer nur subjektiv, auch wenn wir etwas Anderes behaupten. Es sei denn, wir schaffen es, in einen Dialog zu kommen, auch mit uns selbst. Da bleibt, nein, da muss die eigene Meinung grundsätzlich außen vor bleiben.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.