Es geht auch anders

Viele Menschen beschäftigt die Frage, wie sie authentisch leben können, statt Spielball des Lebens zu sein.

Die Antwort hat einen positiven und einen negativen Aspekt. Der positive Aspekt ist, dass dies ohne weiteres möglich ist, der negative, dass es ganz offensichtlich Überwindung kostet.

Am Anfang steht die Erkenntnis, dass die Frage danach, was man denn tun soll oder muss, um authentisch leben zu können, tatsächlich nicht weiterführt, weil die Lösung ganz woanders liegt, nämlich im Denken. Nicht das Wissen darum, was man tun kann bzw könnte, hilft weiter, sondern ausschließlich eine andere Art des Denkens.

Oft hört man den Satz, dass man die Dinge nur mit anderen Augen betrachten muss, um zu sehen, was wirklich ist, um aus der Illusion des »Normalen« zu entkommen. Dieser Satz ist absolut richtig, aber oft nicht hilfreich. Wahrnehmung ist ein mentaler Prozess, eine Erkenntnis, und baut damit auf einer Erkenntnistheorie auf. Wollen wir also die Dinge mit anderen Augen sehen können, müss(t)en wir anders denken lernen.

Nehmen Sie beispielsweise das Thema »Gleichmut«. Gleichmut erscheint uns als eine Charaktereigenschaft, als ein Ausdruck der Persönlichkeit. Tatsächlich resultiert Gleichmut aus kognitiver Einsicht: Zum einen erkennt und respektiert man die Gleichheit aller Menschen, die in ihrem Menschsein grundsätzlich gleich sind, zum anderen konzentriert man sich nicht mehr auf die »Wirkung«, die andere auf einen haben, sondern macht sich bewusst, dass menschliches Handeln immer karmisches Handeln ist, also bedingtes Handeln, das einer Ursachen-Wirkungs-Kette entspringt (was etwas ganz anderes ist, als die berühmt-berüchtigte Frage nach dem Warum?“ zu stellen.

Wenn man sich die Aussagen in dem letzten Absatz noch einmal vor Augen hält wird deutlich, wo der wesentliche Unterschied im Verständnis von »Persönlichkeit« im buddhistischen und im üblichen Denken liegt: Üblicherweise wird die Persönlichkeit als emotionaler Ausdruck verstanden, daher spricht man ja auch von emotionaler Intelligenz. Das buddhistische Denken aber sieht die Persönlichkeit als Ausdruck von Einsicht und Verständnis in das Wesen der Dinge, also als Folge von geistig-mentale Intelligenz, grundsätzlichem Wissen und Weisheit.

Und genau das ist der entscheidende Dreh-und Angelpunkt: Sich zu verabschieden aus dem emotional behafteten Erleben hin zu reflektierender, betrachtender Achtsamkeit und meditativer Bewusstheit. Und genau da liegt auch die Überwindung, sich nämlich aus dem so wirklich scheinenden Erleben und den damit einhergehenden Gefühlen zu verabschieden, wobei es überhaupt keine Rolle spielt, ob es sich hier um angenehme oder eher unangenehme Gefühle handelt.

„““

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.