Fragen über Fragen

Was soll ich tun, wenn ich merke, dass jemand falsch liegt?

Gut, das Leben ist also ein Prozess, das den Naturgesetzen folgt. Damit sollte man zufrieden sein und sich nicht dagegen stellen. Doch man darf dabei nicht vergessen, dass wir ja selbst gleichermaßen dieser Prozess sind.

Was wir also tun, trägt unmittelbar dazu bei, den Prozess zu organisieren. Und das wirkt natürlich nicht nur auf uns, sondern letztendlich auf wirklich ausnahmslos alles. Angenommen, jemand ignoriert die Prozesshaftigkeit des Lebens, glaubt an ein objektiv Feststellbares ‚richtig‘ oder ‚falsch‘, folgt stattdessen einem mechanistischen Weltbild und glaubt zu guter Letzt auch noch dass das, was er wahrnimmt, absolut wahr wäre. Und Platons Höhlengleichnis sei einfach Quatsch.

Also weiter angenommen, ich merkte das. Ist es dann richtig, mich einzumischen? Oder wäre es nicht doch besser, einfach weiter zu gehen? Damit beeinflusse und lenke ich ja wieder den Prozess. So oder so. Ich kann mich einfach nicht raushalten, egal was ich tue, es hat Einfluss. Warum aber soll ich jemand anderem sagen, dass er falsch liegt? Muss er das nicht einfach selber merken oder merken wollen? Und vor allen Dingen, woher weiß ich, dass ich richtig liege und nicht selbst einem gewaltigen Irrtum erlegen bin?

Ein echtes Dilemmata. Doch was tun, wenn ich davon ausgehen kann, dass etwas wahr ist. Oder eben nicht, sondern das andere. Oder beides. Oder beides nicht. Oder etwas ganz anderes. Also ich denke, dass die Natur – mit Ausnahme des Menschen – dem Naturgesetz ohne wenn und aber folgt. Der Mensch hingegen hat sich daraus hinaus katapultiert. Oder er wurde heraus genommen. Letztlich egal, draußen ist er. Doch weil das Zusammenleben damit schwieriger geworden ist, gibt es Häuptlinge, Chefs, Juristen, Berater und so weiter und so fort. Doch dass einer sagt, wo es langgeht, ist eine unzulässige Machtverschiebung. Woran sich auch nichts dadurch ändert, dass der andere das ja mitmachen muss. Stichwort Selbstorganisation.

Was also bleibt dann noch übrig, als sich im Dialog zu begegnen? Die Konvention verlassen? Den ‚Offenbarungskonflikt‘ zu überstehen? In der Selbstreflexion sich selbst zu erkennen? Um sich dann im Sinnraum begegnen zu können? Das scheint mir die einzige Alternative zu allen anderen, meines Erachtens nach nicht wirklich sinnvollen Lösungsvarianten zu sein. Doch was tun, wenn jemand nicht bereit ist, in einen Dialog einzusteigen? Weil die Angst vor der Demaskierung zu groß ist? Oder derjenige sich hinter irgendwelchen Konzepten versteckt, in der Hoffnung, dass das Ego dahinter passt?

Also muss man warten. Aber bloß nicht abholen wollen! Und sich nicht mit Framing, Pacing oder sonst einer NLP- oder anderen rhetorischen Technik ‚Zugang‘ zu verschaffen. Das wäre nämlich auch wieder ein Element der Konvention! Jeder muss selbst begreifen, dass der Dialog die einzige Möglichkeit ist, sinnhaft miteinander zu reden und zu leben – statt sich einzureden und so zu tun, als ob alles in bester Ordnung wäre. Wie kann ich bei einem Blick in die Zeitung davon ausgehen, alles wäre paletti, wenn ich doch weiß, dass ich ein Teil des Weltprozesses bin? Das ist das vielleicht größte Hindernis, das man lösen muss, nämlich, dass man nur dann gut in der Konvention leben kann, wenn man sich ein X für ein U vormacht.

Doch das bedeutet für den, der im Konventionellen verhaftet ist und bleibt, also für den bedeutet das nicht, dass er das Recht hätte zu tun und zu lassen, was er mag. Es ist ein bisschen wie in der Physik. Die Gesetze der Mechanik definieren, was auf der Welt passiert, solange  man nicht unter oder hinter die Oberfläche, also das Offensichtliche sieht. Denn sobald man dies tun, gestalten sich die Dinge nicht mehr nach logischen Gesetzmäßigkeiten, sondern sie werden zu Prozessen, wobei das Bewusstsein aller Beteiligten einen ganz wesentlichen und nicht hinweg denkbaren und vor allem nicht zu vernachlässigenden Stellenwert hat. Tut man dies jedoch noch nicht, hat mein diese Zusammenhänge also noch nicht erkannt, muss man sich an Regeln und Gesetze halten. Schaut man hinter die Kulissen, dann beachtet man natürlich auch weiterhin die Regeln und Gesetze des Miteinanders, aber nicht weil man das müsste, sondern es ist immanent geworden. Dann tut man Dinge nicht, weil es richtig oder falsch wäre, sondern weil es für einen richtig ist.

Das aber muss jeder für sich selbst erkennen. Es ist das Ticket in die Freiheit, das einem keiner schenken kann, das man nicht lernen kann, das man auch nirgendwo finden kann, weil man es im eigenen Geist erkennen muss. Warum? Weil es da schon immer schlummert und darauf wartet, endlich gesehen zu werden. Nun, das ist meine Meinung. Kann falsch sein. Aber was, wenn sie stimmt? Da hilft nur eins: Ausprobieren!

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.