Gedanken über den Lebenssinn

Aperspektivisch, ein Wort, das für mich immer einen negativen Beigeschmack hatte und das ich immer an der Grenze zu Zynismus und Sarkasmus angesiedelt habe.

Aber gerade in diesem Wort zeigt sich, dass die Klassifizierung von »richtig« oder »falsch« uns leicht in die Irre führen und Erkenntnis verhindern kann.

Aperspektivisch, das bedeutet erst einmal ohne Sinn, und das scheint nicht erstrebenswert, wissen wir doch, wie Menschen am sinnlosen Leben leiden. Viele Menschen suchen nach dem Sinn des Lebens. Doch wo können sie ihn finden?

Um den Sinn des Lebens zu erkennen, müssten wir uns außerhalb des Lebens selbst stellen können, müssten uns in die Position des Absoluten hinein versetzen können. Juden und Christen bezeichnen dieses Nicht-Benennbare als Gott, Taoisten als Tao, Buddhisten als Buddha-Geist, Muslime als Allah. Alle Kulturen haben dafür unterschiedliche Namen und meinen doch alle das Selbe, nämlich das Nicht-Fassbare, das Nicht-Benennbare, den Ursprung allen Seins.

Wir können uns nun aber nicht in die Position des Absoluten versetzen, sodass wir konsequenterweise auch den Sinn des Lebens als solchen nicht benennen oder beschreiben können. So gesehen ist das Leben aperspektivisch, es hat keine Richtung, keine Absicht, um die wir wissen könnten und so gesehen keinen Sinn. Und doch wissen wir alle aus vielen Momenten unseres Lebens, dass das Leben kein sinnloser Zufall und auch kein mechanistisches Funktionieren ist.

Was auf den ersten Blick so destruktiv weil eben aperspektivisch klingt, offenbart seine Sinnhaftigkeit erst auf den zweiten Blick, jedenfalls ging es mir so. Denn wir finden den Sinn des Lebens nur im Leben selbst, das Leben als solches ist der Sinn. In diesem Sinne aperspektivisch zu leben bedeutet, das Leben zu nehmen, wie es ist und im Leben selbst den Sinn zu finden, ohne dass dieser von außen vorgegeben oder sichtbar wäre.

Der Sinn, den wir suchen, ist im Leben selbst immanent.

Ein Leben zu leben, das dem Sinn folgt, der sich im Leben selbst offenbart, ist für mich die sinnhafteste Art zu leben, die es überhaupt geben kann. Und es erinnert mich wieder an die Worte des Mystikers Meister Eckhart, der gesagt hat, dass, wenn wir Gott schauen wollen, wir Gott vergessen, Gottes quitt werden müssen.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.