Gelebter Mythos II

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Und das gilt wie für so vieles auch für das Thema Mythos. Damit meine ich weder die so allgegenwärtigen Mythen, noch, wenn etwas oder jemand zu einem verherrlichten Mythos stilisiert wird.

Üblicherweise assoziieren wir mit einem Mythos etwas Besonderes, etwas Herausragendes. Doch das muss keinesfalls so sein. Da gibt es die, die sich ein Leben lang als Opfer von was auch immer wähnen, die glauben, ‚da kann man nichts machen‘, die sich ohnmächtig oder hilflos glauben.

Die Liste kann man fast endlos fortsetzen, von der festen Überzeugung der eigenen Unzulänglichkeit bis hin zur völligen Selbstverleugnung und Unterwerfung unter die Ansichten anderer.

Denn was wir leben ist, jedenfalls für die meisten von uns, ein Mythos; eine Geschichte von uns selbst an die wir glauben, ob sie der Wirklichkeit entspricht oder nicht. Und das wird so lange sein, so lange wir unser Erleben – und wenn auch nur ansatzweise – für die Wirklichkeit halten.

Eric Berne hat es wunderbar in seinem Buch ‚Spiele der Erwachsenen‘ beschrieben. Es ist der gelebte Mythos von ‚das bin ich‘. Und das ist selten eine konstruktive und meist auch keine sonderlich charmante Einschätzung seiner selbst.

Also sollte man sich sehr bewusst sein, welchen Mythos man mit Leben erfüllen will. Zum einen entlarvt das den Mythos, den man vielleicht schon lange lebt; zum anderen zwingt es zur Auseinandersetzung mit der Frage, was wesentlich und wahrhaftig ist. Dabei kommt es nämlich nicht auf unsere persönliche Meinung oder die anderer an, sondern auf das, was der Kosmos dazu sagen würde.

Die Aufforderung, ein Gottgefälliges Leben zu führen, ist wahrlich zu recht in Misskredit geraten, weil es doch nur das Bemühen war, andere Regeln von Moral und Sitte zu unterwerfen, und das angeblich im Namen Gottes.

Die entscheidende Frage ist, was wir selbst als wesentlich und wahrhaftig für uns erkennen und in Anspruch nehmen können.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.