Gelebter Mythos

Ein Mythos ist in seiner ursprünglichen Bedeutung eine Erzählung, mit der Menschen und Kulturen ihr Welt- und Selbstverständnis zum Ausdruck bringen.

Im traditionellen religiösen Mythos wird durch den Mythos das Dasein der Menschen mit der Welt der Götter verknüpft. Was ja, wenn man es genau betrachtet, auf das Selbe hinauskommt. In einem Mythos geht es um nichts anderes als die Beziehung des Individuums zu dem, was es als  »Ausdruck des Absoluten« ansieht, je nach seinem Verständnis von »Welt«.  

Im Verständnis des kleinen Kindes ist die Welt etwas Magisches und Mystisches. Je mehr das Kind sich als Folge der Selbstbewusstwerdung in der Beziehung zu anderen als etwas davon Getrenntes erlebt, wandelt sich das Bild in eine Welt mit mächtigen Göttern, die über das eigene Schicksal entscheiden – ein neuer Mythos wird geboren.  

Und so geht es nach den Sturm- und Drangzeiten des Jugendlichen weiter über den Mythos der Gestaltung des Lebens durch gesellschaftliche Übereinkünfte, um dann weiter zu gehen zu der Vorstellung, die Dinge und das eigene Leben durch Wissen und methodisches Vorgehen unter Kontrolle bringen zu können, usw. 

Dies ist keine Heldenreise, sondern ein einer inneren Struktur folgender Prozess. Am besten dokumentiert und am anschaulichsten dargestellt ist dies in den Spiral Dynamics. Das Konzept dieser Theorie wurde von Don Beck und Chris Cowan auf der Grundlage der Theorien von Clare W. Graves entwickelt. 

Doch diesen Mythos zu leben ängstigt uns auch, dem damit einhergehenden Anspruch an uns selbst nicht genügen zu können. 

Und das ist das eigentliche Dilemma: Wir wollen, aber wir haben Angst vor den möglichen Konsequenzen. Wir haben Angst, das Erstrebte nicht erreichen zu können, nicht gut genug, nicht weit genug in unserer Entwicklung, in unserem Fortkommen zu sein. 

Und das sind oft begründete Zweifel, die, ignorieren wir sie, uns unsere Selbstüberschätzung unmittelbar und spürbar erleben lassen. Vermeiden werden wir das wohl nie können, doch wer in seiner Absicht gefestigt ist, der lässt sich davon nicht von seinem Weg abbringen, vielmehr wird es ihn ermutigen, noch kraftvoller weiter zu gehen. 

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.