Glaube

Was ist eigentlich Glaube und warum glauben Menschen?

Unser Glaube ist nichts anderes als das, wovon wir zutiefst überzeugt sind, dass es die absolute Wahrheit über den Grund alles Seienden ist. Und genau deswegen glauben wir Menschen, um nicht an der Frage »wer bin ich?« zu verzweifeln und in einen nihilistischen Abgrund zu stürzen.

Und was ist mit denen, die nach eigener Überzeugung an keinen Gott oder mystisch-magische Götter glauben, an keine absolute Idee oder absolutes Prinzip? Diese Menschen glauben meistens vor allem an sich selbst, die eigene Allmacht und Selbstherrlichkeit. Unsere nicht allzu alte deutsche Vergangenheit zeugt davon.

Fehlt den Menschen eine tiefe innere Überzeugung von dem Grund des Seins und damit von der eigenen Existenz, dann erkennt man sie leicht an ihrem Zynismus und Sarkasmus, aber auch an ihrer Selbstbezogenheit, die nicht mit dem Egoismus anderer verwechselt werden darf, die sich durch den archaischen Lebenskampf gerechtfertigt sehen, in dem nur die Starken überleben können und wovon sie aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen zutiefst überzeugt sind. Nur sind eben Erfahrungen Interpretation der Wirklichkeit und nicht die Wirklichkeit an sich.

Wer institutionell glaubt, was ich keinesfalls abwertend verstanden wissen möchte, sieht sich immer wieder damit konfrontiert, das Wissen und die Erkenntnisse seiner Zeit mit den Überlieferungen in Übereinstimmung zu bringen, die im Verständnis der Menschen einer längst vergangenen Zeit und dann auch noch in einer uns meist nicht nur fremden, sondern unbekannten Sprache formuliert sind. Ganz abgesehen davon, dass die Autoren der Schriften, auf die sich die Religionen beziehen – soweit ich dies beurteilen kann – nicht die sogenannten Religionsstifter waren, sondern Menschen, die deren Worte in ihrem eigenen Verständnis wiedergegeben und aufgezeichnet haben.

Das Wesentliche für einen wahrhaftigen Glauben aber ist zu folgen. Folgen heißt nicht, blind zu wiederholen, wie es so viele tun, sondern im Folgen und sich Einlassen zu eigenen Einsichten, Erkenntnissen und unmittelbaren mystischen Erfahrungen zu finden. Doch was bedeutet Folgen eigentlich? Zuerst ist da ja die nicht beantwortbare Frage, warum wir der Überzeugung sind, dass der, dem wir folgen, uns zu einer wesentlichen und wahrhaftigen Einsicht in die Wahrheit des Seins verhelfen könnte.

Einfacher ist die Frage zu beantworten, warum wir uns dabei auf die Worte oder Präsenz lebender Menschen einlassen und in diesem Sinne zuerst einmal ihnen folgen. Das ist so, weil wir hier nicht über die Vermittlung von Wissen durch einen Lehrer sprechen, sondern von einer Begegnung im Geist, der Weitergabe des Bewusstseins für den Urgrund des Seins, die individuelle, persönliche Erfahrung aus der unmittelbaren Schau des Absoluten.

Weil Raum und Zeit ja nur in unserem Erleben wirklich sind und keine Bedeutung im Absoluten und also auch nicht im Geist haben, existiert diese Kette der Weitergabe von Einsicht und Erkenntnis nur in unserer Vorstellung, in der Wirklichkeit des Absoluten existiert nur die eine Erkenntnis und Schau des Absoluten.

Daraus folgt für mich, dass Folgen einen relativen und einen absoluten Aspekt hat. Der relative besteht darin, in meiner Praxis oder Glaubenspraxis einem irdischen Meister, Lehrer, Mentor oder Vorbild zu folgen, der uns die Idee des Weges in der Sprache und dem Kleid unserer Zeit und Kultur zu vermitteln und zu zeigen vermag. Dies kann vielleicht auch ein Kult sein, der unabhängig von dem Ausübenden ist – wie wollte ich das ausschließen können?

Niemand aber kommt ganz aus sich selbst heraus zur Einsicht, denn wir leben nicht alleine für uns, abgeschottet von der Welt. Die Welt, die wir zu erfahren in der Lage sind, und alles was für uns durch eben diese Erfahrung darin existiert, nehmen wir über unsere Wahrnehmung und unser Erleben auf und bilden daraus unsere Sicht von der Welt und damit unsere Überzeugungen.

Der absolute Aspekt besteht darin, dass wir Erkenntnis und Einsicht nur in der zeitlosen, ewigen und darum in doppelter Hinsicht unmittelbaren eigenen mystischen Erfahrung und Begegnung im Geist finden können.

Woran wir in welcher Form und Gestalt auch immer glauben: am Ende, in der tiefsten und unmittelbarsten Begegnung mit dem Absoluten finden wir, vollkommen unabhängig von den Worten, mit denen wir es zu beschreiben suchen, spätestens im Tod, zu der ein und selben Erfahrung. Ist uns das bewusst und auch, dass das in uns immanente Absolute nur das Eine sein kann, wird es uns ein Leichtes sein, uns in der Stille, jenseits unserer Gedanken, Meinungen und vor allem jenseits unserer individuellen Prägung, im Absoluten begegnen können.

Falsch wäre zu sagen, was vielleicht viele jetzt denken, dass man es nur wollen müsse; denn tatsächlich geht es allein darum, sich einzulassen, was gerade bedeutet, dieses eigene Wollen aufzugeben und sich dem Absoluten anheim zu geben; eben zu glauben im Sinne von wissen und tiefster Überzeugung.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.