Glaube, Wissen und Placebos

Was tue ich aus eigenem Wissen und was ist nur ein Placebo?

Schließlich merkt man ja selbst nicht – das ist ja der Witz an Placebos – wenn man auf sie eingegangen ist. Die Schwierigkeit dabei ist, dass wir Placebos üblicherweise nur innerhalb des Kontext ,Krankheit‘ betrachten. Jeder – denke ich zumindest – Mediziner wird mir erklären können, warum Drogenabhängige Entzugserscheinungen haben, nimmt man ihnen die Drogen. Außer, man gibt ihnen Methadon.

Oder eben ein Placebo. Das funktioniert (?) nämlich meist genauso gut. Und das kann mir so richtig keiner erklären, warum und wie das funktioniert. Erinnert mich an den Satz ,Glaube versetzt Berge‘. Dabei gibt es noch einige solcher ,Glaubensbeweise‘. Was natürlich überhaupt nicht in unsere Welt des ,ich gestalte mein Leben bewusst‘ und zu der Überzeugung passt, dass wir nur das tun, was wir wollen. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir nicht selbstbewusst handeln würden?

Erinnert mich daran, als ich einmal jede Menge Weizen trank und ziemlich einen in der Krone hatte – obwohl ich wusste, dass es alkoholfreies Weizen war! Schmeckte wohl genau so, wie ein Weizen zu schmecken hat. Und – schwups – war ich darauf reingefallen. Heißt, dass Glaube stärker ist als Wissen. Es war nämlich meine erste Begegnung mit alkoholfreiem Weizen. Und da war das Wissen noch brüchig.

Ich mache jetzt mal einen gedanklichen Sprung und komme zu dem, was mich dabei beschäftigt: Kann es sein, dass ich tag- täglich und ständig auf Placebos reagiere? Sie haben sicherlich schon gemerkt, dass ich es vermeide von ,reingefallen‘ zu sprechen.

Also ich erkläre mir das so: Wir sozialisieren uns von klein auf mit unserer Umwelt. Und je mehr wir dazu unseren Verstand gebrauchen, desto mehr übersehen wir, dass uns der überhaupt nichts bringt. Jedenfalls dabei nicht. Also wir sozialisieren uns. Heißt, wir adaptieren die Meinungen der ,Großen‘. Oder von sogenannten Experten. Und daraus bilden wir ganz, ganz viel Glauben. Aber eben kein Wissen.

Bis uns einmal einer fragt, wieso wir das denn zu wissen glauben … Wissen kann ich nur, was ich selbst erfahren habe. Aber bitte ohne Placebo. Und das heißt bereit zu sein, unbekanntes Gelände zu erforschen, sich darauf einzulassen. Untersuchen, was wirklich ist.

Dabei ist das gar nicht so einfach. Denn alles, was wir ,im Kopf haben‘, also alles, wovon wir überzeugt sind, definiert uns in unserer Vorstellung von uns selbst. Ich bin also, wovon  ich überzeugt bin – Sie und jeder andere übrigens auch.

Wobei ich zugebe, dass es wohl eine ganze Menge an innerer Überzeugungsarbeit braucht, bis man soweit ist, sich von seiner Vorstellung von sich selbst, diesem mysteriösen ,Ich‘ zu lösen, um sich realistisch zu sehen und die gedankliche Auflösung seiner selbst im Universum zuzulassen. Paradoxerweise wird das ja erst einmal als Auflösung in die Bedeutungslosigkeit empfunden – auch so ein Placebo – statt als das, was es ist: etwas Grandioses.

Aber, wie gesagt, Wissen schützt leider überhaupt nicht nicht vor Glauben und Überzeugungen. Nur das muss nicht so sein, das kann man ändern. Und sogar ziemlich leicht. Man muss nur (!) seine Haltung sich selbst gegenüber aufgeben.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.