Glauben, verstehen oder ergründen

Wie nutzen wir unsere Denkmöglichkeiten und was bedeutet das für uns?

Das ist die erste Frage, die oder der wir uns stellen müssen, beschäftigen wir uns mit etwas Neuem. Zum Beispiel Zen.

Zen bedeutet ja im Verständnis vieler Menschen eine Praxis, die neben dem Alltag existiert, eine Subkultur, wie ein Bekannter es nennt. Dabei ist die Zen-Praxis, jedenfalls in meinem Verständnis, etwas ganz Grundlegendes, den sie geht der Frage nach, was ist und was ich bin. Und wer kann ich sein, wenn nicht das? Wie will ich nicht in einer Illusion leben, wenn ich das nicht weiß?

Haben nicht viele, wenn nicht die meisten Menschen, im Mittelalter in einer Illusion gelebt? Und leben nicht auch heute noch viele in Unkenntnis dessen, was wirklich ist, also in einer Illusion? In einer Illusion zu leben heißt, seine Möglichkeiten und Potentiale nicht mit Leben erfüllen zu können, heißt, ein Leben unterhalb dem zu leben, was einem Menschen eigentlich möglich wäre. Ein reduziertes Leben aus Unkenntnis dessen, was ist.

Ich befürchte, dass das vielen ähnlich geht, andererseits bin ich der Überzeugung, dass das, was wir heute über die Welt und uns definitiv und nachweisbar wissen  jedem ermöglicht, die Welt und sich klarer zu sehen. Der Nebel der Illusion lichtet sich. Na ja, könnte sich lichten, wenn wir bereit wären, unsere alte Weltsicht aufzugeben. Und damit bin ich beim Thema des Textes.

Die entscheidende Frage ist, wie wir uns der Thematik nähern. Mit anderen Worten: Bleibt die Tür zu oder machen wir sie auf? Das ist relativ leicht zu erkennen. Wir müssen nur bereit sein, ehrlich zu uns zu sein. Und uns ganz klar werden, was wir wirklich wollen. Stellen wir fest, dass wir ‚eigentlich‘ etwas anderes wollen, liegt es an uns, den inneren Einwand zu überwinden und zu tun, was zu tun ist. Es ist nicht notwendig, den inneren Vorbehalt zu kennen, wir müssen nur wissen, wo und wie er sich auswirkt. Es ist also die Frage danach, wie wir uns zu dem Thema in Beziehung setzen.

Und das erkennen wir unzweifelhaft an unserer Sprache:

1) Das glaube ich nicht. 

2) Das verstehe ich nicht. 

3) Also, du meinst es ist so oder so? Ich untersuche es. Ich verifiziere es.

Merken Sie den Unterschied? Die ersten beiden Varianten bewegen sich in im Denken. Sie wollen das Gesagte mit dem Denken in Einklang bringen. Damit bleibt man aber zwangsläufig in seinem Denken, in seinem Denksystem. Selbst, wenn man der Ansicht ist, etwas verstanden zu haben. Dann hat man das zwangsläufig nur in sein Denksystem eingebaut.

Ken Wilber hat einmal den Unterschied definiert zwischen prä-personal,  personal und trans-personal. Und dabei festgestellt, dass die erste und die letzte Gruppe die selbe Sprache verwenden, damit aber ganz andere Dinge meinen. Wenn also zwei Menschen das Selbe sagen heißt das nicht, dass sie auch das Selbe meinen! Also muss man immer den gesamten Kontext hinzunehmen, dann wird es meistens deutlich.

Unsere Sprache verrät uns also, wo wir uns befinden. Glauben wir, wollen wir verstehen oder untersuchen wir – das auseinander halten zu können hilft uns, den Schlüssel zum Zen-Weg zu finden. Und sind bereits mitten drin in der Zen-Praxis, wenn wir uns ganz klar für die Variante des Untersuchens entschieden haben und uns mit unserer eigenen Sprache als Korrekturhilfe dementsprechend verhalten.

Die Zen-Praxis findet nämlich im eigenen Kopf statt. Und nirgends sonst. Und wie ist es mit Meditation? Da halte ich es mit Krishnamurti, der einmal gesagt hat, dass zu meditieren erst dann Sinn macht, wenn man seine Gedanken auf die Reihe gebracht hat. Denn was passiert in der Meditation? Die Gedanken mögen still werden, aber nicht das Denken! Nur merken wir das nicht. Also muss ich doch erst einmal die in meinem Neuronensystem gespeicherten Informationen durch die richtigen austauschen, bevor ich damit beginne, mich darin zu versenken. Ich bade auch sehr ungern in einem dreckigen See.

Ob Sie Zen praktizieren oder was auch immer sie tun: Es passiert in Ihrem Kopf. Und da hat kein anderer Zutritt. Garantiert nicht. Was das bedeutet? Sie allein bestimmen, was passiert. Also gehen Sie bewusst mit Ihrer Sprache um, was natürlich bedeutet, zu sprechen, den etwas zu denken ist etwas anderes als darüber zu sprechen und übernehmen Sie die Verantwortung. 

Eines ist dabei essentiell: Werden Sie konkret. Keinerlei Absichterklärungen, sondern ganz konkret: Was tun Sie?

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.