Homöostase

Ein Begriff aus der Biologie. Die Frage ist, trifft er auch auf psychische Prozesse zu?

Ich hatte nachts einen Wachtraum. Immer dann, wenn ein emotionaler Zustand überhand nahm und die gesamte Situation dominierte, kam sein Gegenstück hoch und übernahm an seiner Statt die Führung. Und das ging so hin und her, wie eine ständige Schaukel- oder Pendelbewegung.

Das erinnerte mich eins zu eins an den Begriff der Homöostase, Mit diesem aus dem Griechischen (ὁμοιοστάσις homoiostásis „Gleichstand“) kommenden Begriff wird die Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustandes eines offenen dynamischen Systems durch einen internen Regelprozess beschrieben. Noch zwei Dinge sind mir dazu spontan eingefallen. Einmal die Geschichte aus einem Qi-Gong Buch, in der der Autor, der bei einem chinesischen Meister lernen wollte und der die Frage, ob er seine Leber spüren könne, mit ,Nein‘ beantwortete, von diesem freundlich, aber bestimmt, darauf hingewiesen wurde, er möge wieder kommen, wenn er dies könne. Und dann an die Erfolgserlebnisse als Anwalt, als ich über beide Backen grinsend nach einem gewonnenen Prozess in die Kanzlei zurückging, mich aber spätestens am Abend eine tiefe depressive Verstimmung einholte.

Da kann einem schon der Verdacht kommen, dass unsere üblichen Vorstellungen von Emotionen wie Freude oder Ärger auch nur ein Ausdruck der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit sind, solange wir noch in dieser Illusion ge- und verfangen sind. Bei der Frage, ob das bedeuten könnte, auch unsere Emotionswahrnehmung transzendieren zu müssen, da kamen mir gleich Bilder von Zen-Meistern wie auch von Samurai-Kriegern in den Sinn, die ganz andere emotionale Ausdrücke zeigten, als wir sie gewohnt sind. Und auch vielleicht gerne hätten. Also nicht, solange sie auf dem Meditationskissen sitzen, sondern im ganz normalen Alltag. Aber was ist schon normal?

Jedenfalls ein guter Grund, sich seiner Gefühle einmal wirklich bewusst zu werden und ihnen untersuchend im Sinne von wahrnehmend, was sie wirklich sind, auf den Grund zu gehen. Ich denke, das bringt so manche Überraschung für den einen oder anderen mit sich. Oder vielleicht auch keine Erkenntnis, sondern eher eine Einsicht. Ein Aspekt davon könnte sein, dass darin der Grund zu finden ist, warum es nur so wenigen Menschen gelingt, den wirklichen Change im Leben von der Translation hin zur Transformation zu vollziehen, einfach, weil sie zu sehr an ihren Gefühlen, Emotionen und Empfindungen hängen.

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