Immer dieser Ärger mit der Sprache!

Sprache kann ausgesprochen verwirrend sein.

Es ist nämlich durchaus möglich, sich einer absolut korrekten Sprache zu bedienen und trotzdem wie die Weltmeister aneinander vorbei zu reden. Seit geraumer Zeit frage ich mich, warum es manchmal so schwierig ist, einen anderen zu verstehen. Oder warum etwa ein Freund von mir, rede ich mit ihm am Telefon, ich ihn wunderbar verstehe, aber nicht, wenn ich lese, was er geschrieben hat. Da verstehe ich dann oft nur noch Bahnhof.

Es ist wirklich zum Haare raufen, bis man endlich drauf kommt, wo das Problem drin steckt. Hat man das aber endlich begriffen, fragt man sich, warum man eigentlich nicht schon längst darauf gekommen ist. Hat wohl etwas mit dem Unsagbaren zu tun, wie Erich Fromm es genannt hat. Es ist zwar In unserem Hirn,  aber da kommt es nicht raus, weil wir keine Worte dafür haben.

So ging es mir, als ich kürzlich eine Definition von Martin Heidegger las. Der unterschiedet nämlich zwischen ‚rechnend denken‘ und ‚denkend denkend‘. Wenn wir ‚rechnend denken‘, ordnen wir Informationen nach bekannten Mustern, wir interpretieren unsere Wahrnehmungen nach den Grundregeln unseres Weltbildes. ‚Rechnendes Denken‘ ist das routinemäßige, intellektuelle Verarbeiten von Informationen.

Das Ergebnis ist meistens Wissen, das aus der Perspektive unseres Weltbildes richtig ist. Hätten die Physiker, Einstein, Schrödinger, Pauli, Bohm, Bohr, Heisenberg, Dürr und so weiter immer nur ‚rechnend gedacht‘, dann wären sie nie auf die Interpretation der Quantenmechanik gekommen und es wäre nie einer auf den Mond geflogen. Ohne die Bereitschaft, ihr Weltbild zu verlassen und im Grunde genommen – scheinbar – unlogisch zu denken (jede Logik hat ja eine Annahme, von der aus sie startet, die sie aber nicht hinterfragt) wären sie gescheitert, sie wären im ‚alten Denken‘ stecken geblieben.

Also ist es manchmal gut und vor allem notwendig, sich auf unlogisch Erscheinendes einzulassen. Es gibt übrigens ein wunderbares Beispiel für ‚rechnendes Denken‘ und ‚denkendes Denken‘ – wie könnte es auch anders sein: Motorradfahren. Wenn ich theoretisch ‚weiß‘, wie etwas von statten geht, bedeutet das noch lange nicht, dass ich das auch anwenden kann. Interessant ist in dem Zusammenhang der Switch, der dabei oft gemacht wird. Sogenannte Pragmatiker werfen einem ja gerne vor, man sei zu ‚philosophisch‘ im Sinne von nicht pragmatisch genug, merken aber nicht, dass es genau umgekehrt ist.

Es ist eben genau so, wie Heisenberg es einmal formulierte: Materie ist Geist, der als Materie erscheint. Geist ist Materie, die als Geist erscheint. Und genau so sollten wir auch mit ‚rechnender‘ und ‚denkender‘ Sprache umgehen und spielerisch fließend zwischen den Zuständen wechseln, dabei aber immer wissen, wo wir uns gerade bewegen.

Dazu brauchen wir uns nur einzulassen. Also nicht ‚entweder – oder‘, sondern eben beides gleichermaßen und manchmal auch gleichzeitig. Aber keine Sorge, mit ein bisschen Übung klappt das schon!

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