Knick in der Optik

Weil die Menschen sich selbst, ihr Wesen, unzutreffend wahrnehmen, sehen sie nicht, dass sie sich selbst schädigen können mit dem, was sie tun oder zu tun unterlassen.

Klingt ein bisschen kompliziert, ist es aber nicht wirklich, es dauert nur, bis es ‚ankommt‘. Es klingt für unsere normale Denke einfach zu verrückt. Ist es aber nicht wirklich.

Wir sprechen ganz selbstverständlich von einer ‚Lebensspanne‘ zwischen Geburt und Tod. Eigentlich fängt es da ja schon an mit dem Knick in der Optik, denn genau genommen beginnt unser irdisches Leben mit der Zeugung. Aber das ist genauso kurzsichtig weil verkürzt gedacht, denn wir bringen ja einiges aus der Vergangenheit mit. Psychologen kennen das. Und wir geben unser Verhalten über den Tod hinaus weiter, denn  wir schaffen Fakten, die weit über uns hinaus reichen.

Kein Mensch lebt ja nur ‚für sich‘, außer wir sind selbstversorgende Einsiedler auf einer Insel, die keiner besucht. Also hat alles, was wir tun, eine ‚Außenwirkung‘, ob wir das sehen oder nicht. Genauso wie das, was ‚draußen‘ passiert, unsere Lebensumstände unmittelbar beeinflusst. Und wir beginnen mittlerweile zu kapieren, den Physikern sei Dank, dass wir die Welt gestalten und nicht umgekehrt.

Alleine das zu wissen nimmt uns schon sowas von in die Pflicht. Es sei denn natürlich, wir tun so, als wüssten wir von nichts und ignorieren das alles. Das schlechte Gewissen möchte ich aber nicht haben! Oder können Sie es wirklich ausblenden, wenn Sie wissend (!) etwas Falsches tun?

Gut, werden da manche denken, dass ich keine Kinder habe, die dann wieder Kinder haben könnten, die an den von mir geschaffenen Fakten zu knabbern hätten. Doch das stimmt nur, wenn wir uns auf diese körperliche Hülle reduzieren, die sich ja mit dem Tod definitiv auflöst. Aber weg ist sie ja nicht, denn in der Welt geht nichts verloren, keine Materie ’stirbt‘, nur ein Prozess des ewigen Wandelns.

Ob Sie jetzt den Geist, der uns (hoffentlich) beseelt, als etwas der Materie Immanentes oder als etwas ansehen, dass davon genau genommen nicht zu trennen ist, oder ganz anders, als etwas davon vollkommen Getrenntes ansehen, ist eigentlich egal. Denn wie man es betrachtet, wir sterben ja nicht mit ‚dann sind wir überhaupt nicht mehr‘ Faktor, wir transformieren nur die Form, wobei wir nur wissen, dass dann alles ganz anders sein wird. 

Gehen Sie mal gedanklich zurück zum Urknall, der ja auch kein ‚erster‘ Moment war, wie wir heute wissen, aber denken Sie sich mal dahin zurück und fragen Sie sich, wo Sie da waren. Denken Sie daran: Dieser Kosmos verliert nichts, er wandelt nur.

Was ich damit sagen will ist, dass sie sich in ein paar hundert Jahren wahrscheinlich nicht werden erinnern können, was Sie heute getan oder nicht getan haben, aber Sie werden es erleben. Wie oder als was, das weiß wohl keiner, sicher ist nur, dass Sie es erleben werden. Es sei denn, Sie reinkarnieren in einer anderen Galaxie. Auch möglich.

Daraus folgt für mich zwingend, dass wir uns ernsthaft überlegen müssen, was wir so tun und uns fragen sollten, ob das, was wir tun, für das Ganze angemessen und richtig ist. Vergessen Sie bei all diesen Überlegungen nicht, dass Sie die Welt sind. Und das meine ich ganz ernst. 

Wir sind die Welt. Wenn wir das einmal begreifen, sprechen wir kaum noch von Verantwortung für das, was wir tun. Wir hören sofort damit auf, den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen. 

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.