Kommentare und Reflexionen

Wollen wir uns verstehen, müssen wir das Menschsein verstehen.

Ich kann etwas reflektieren, etwa das, was ein anderer gesagt oder getan hat, oder ich kann es kommentieren. Die Frage ist, ob ich mit der Reflexion nicht auch eine Werbung betreibe.

Das ist die erste Hürde. Warum glaube ich, dass das, was ich so denke, für andere Menschen von Bedeutung oder ‚Wert‘ sein könnte? Also ich fühle mich unwohl, wenn ich niemanden zum Reden habe. Nicht mein Herz ausschütten, sondern die Welt und mich selbst untersuchen und ergründen. Das ist, so denke ich, eine gemeinsame Aufgabe; aber die gelingt uns nur, wenn wir miteinander reden. Und da muss man eben auch mal den Anfang machen.

Mein ‚Traum‘ ist immer noch ein öffentlich geführter Dialog, ähnlich dem, den es einmal zwischen Ken Wilber und Andrew Cohen auf der WIE gab. Nur habe ich bisher noch keinen Dialogpartner gefunden. Finde ich irgendwie komisch und ich hoffe, mir erklärt das mal jemand so, dass ich es akzeptieren kann.

Das ist nämlich auch so ein Ding. Ich habe kürzlich angefangen einen Dialog zwischen Wolf Singer und Matthieu Ricard zu lesen. Die Meinungen gingen teilweise sehr auseinander, oft kein wirklicher Konsens, jeder blieb dann bei seiner Ansicht. Das sage ich auch immer. Man möge mich davon überzeugen, dass ich Unrecht habe. Bis dahin aber bleibe ich bei meiner Meinung.

Es gibt eine Sache, die für mich von wirklicher Bedeutung ist, nämlich mich zu verstehen. Aber mich kann ich nur verstehen, wenn ich das Menschsein an sich verstehe. Und um das Menschsein zu verstehen, brauche ich andere Menschen, um gemeinsam mit ihnen zu ergründen, was da in uns so abgeht.

Deswegen bin ich auch da, wo es so richtig ungeschützt zugeht. Auf Facebook etwa. Oder im Fernsehen. Wie soll man besser verstehen können, wie Menschsein tickt, wenn man vermeintlich Negatives ausblendet? Und ich bilde mir wahrlich nicht ein, anders zu sein. Denn auch ich bin ein Mensch. Und den will ich verstehen.

Also reden wir darüber!