Kröte oder Herausforderung?

Es liegt alleine an uns, was wir daraus machen.

Gerade habe ich diesen Gedanken gelesen: Ideen, die dem Ohr so angenehm klingen, werden als große Wahrheiten angenommen. Und die Leute werden von ihnen ebenso angezogen wie die Motten in der Nacht von Kerzenlicht, in dem sie umkommen …

Ist von Lin-chi, einem Zen-Menschen. Lao Tse hat ja auch immer in das selbe Horn geblasen: Wahre Worte sind nicht angenehm … Dabei gehen diese Typen immer von ein und demselben aus, wenn sie die Worte der Meister mit einer Medizin vergleichen:

Sie behaupten doch tatsächlich, wir seien krank!

Aber, wenn ich mal wieder in eine Zeitung schaue, dann begegnet mir in der Gestalt von Berichten über das, was so in der Welt veranstaltet wird ganz schön viel Krankes. Also für mein Empfinden natürlich nur, die, die das machen, finden wahrscheinlich, ich sei krank.

Also was jetzt? Wer ist jetzt krank? Der andere oder ich? Über diese Frage kann man lange diskutieren und sich so richtig die Köpfe heiß reden, um am Ende wieder da anzukommen, wo man angefangen hat. Und das Spiel spielt man so lange, bis man merkt, dass es darum überhaupt nicht geht.

Das setzt nämlich voraus, dass es einen Gewinner geben könnte. Heißt also, dass wir Menschen uns logischer und auch notwendigerweise in einem mechanisch organisierten System bewegen, wo jeder für sich als eigenständiges Individuum schalten und walten kann. Und es einen Gewinner und bedauerlicherweise auch einen Verlierer gibt. Aber so ist nun mal das Leben.

Aber genau so ist es doch, oder etwa nicht? An dieser Stelle fangen manche Wissenschaftler an, von den Quantenphysikern bis hin zu den Wissenssoziologen, also die fangen an, verständnisvoll zu lächeln und uns geduldig zu erklären, dass wir absolut falsch liegen und uns auf dem Holzpfad einen Spreißel nach dem anderen reinziehen.

Um es kurz zu machen, sie sagen, die Welt ist ein lebendiges System. So wie wir auch. Und wenn ich wegen einer Nierenoperation in das Krankenhaus muss, dann leiden meine Füße auch, denn die müssen da auch mit. Und mein Gehirn selbstredend auch. Und wird auch mal ausgenockt, wenn ich operiert werden muss.

Aber warum eigentlich ‚ich‘? Krank sind doch nur meine Nieren? Warum kümmert das dann den Rest? Genau! Das Dumme dabei ist nur, dass wir uns im normalen Leben als eigenständig erleben. Ein Wahrnehmungsfehler, meinte schon Einstein. Und zwar kein kleiner, sondern ein gewaltiger. Mit gravierenden Auswirkungen.

Ein Wahrnehmungsfehler, der geeignet ist, dass wir uns den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Also können wir jetzt hergehen und erst mal laut klagen und jammern um dann den Kopf in den Sand zu stecken, wenn uns einer fragt, was wir denn zu tun gedenken.

Oder wir schnaufen einmal tief durch, setzen uns gerade hin und packen den Stier bei den Hörnern. Das heißt jetzt nicht, dass wir anfangen sollten, mit den Andersgläubigen zu diskutieren. Nein, das meine ich nicht. Sondern einfach einmal die Klappe zu halten und hören, was sie zu sagen haben, dabei immer die eine Frage oder Herausforderung im Kopf: Wie komme ich ins Gespräch, wie können wir miteinander reden? Also wirklich reden, dialogisch versteht sich.

Ein erster Schritt wäre den Fernseher aus zu machen, da bekommen wir nur vorgemacht, wie man es nicht machen sollte. Miteinander dialogisch zu reden fängt nicht beim anderen an, sondern bei sich selbst. Bevor wir nämlich reden können, bevor wir also die Anderen hereinbitten können, müssen wir, wir wollen ja was von ihnen, also dann müssen wir erst einmal den Müll raus tragen, Ordnung machen, aufräumen und schauen, dass alles passt. Also wir.

Den wir wollen den anderen ja wirklich einladen. In unseren Geist. Wohin auch sonst?

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.