Kultur und Methodik

Was auch immer wir machen, es steckt sehr viel Methodik darin. Jedoch die entscheidende Grundlage ist eine andere. Das ist die Kultur.

Methodik kann man lernen, Kultur aber nicht. Zwar kann man idealerweise die Rahmenbedingungen für Kultur ’setzen‘, aber lehren kann man sie nicht. Das muss jeder für sich alleine tun. Das kann man, wie gesagt, nicht lernen, das muss jeder selbst begreifen und in sich selbst entdecken.

Das ist einer der Gründe, warum so zielführende methodische Ansätze wie Kaizen, Kanban oder Hoshin-Management etc. so oft bei der Umsetzung im Sand versickern. Man mag die Klaviatur des ‚Weges zu den Besten‘ rauf und runter beten können, aber man wird nie zu einem der Besten, wenn man nicht die dem entsprechende und grundlegende Kultur lebt.

Über Kultur zu sprechen ist schwierig. Beschreiben Sie einmal Ihre eigene Kultur. Zum Beispiel bei der Arbeit. Was ist Ihre Arbeitskultur? Nicht so leicht zu beantworten, oder? Denn Kultur fängt unmittelbar mit dem Welt- und Menschenbild an, das wir haben.

Anfang des 19ten Jahrhunderts haben die (späteren) Quantenphysiker erkannt, dass die Welt ganz anders ist, als wir bisher glaubten. Unser übliches Weltbild und alles, was darauf aufbaute, brach wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Der aufmerksame Leser wird hier laut ‚Moment mal!‘ gerufen haben. Ganz zu Recht. Hat es nämlich nicht, auch wenn es das eigentlich hätte tun müssen. Nur für einige Physiker ist das Weltbild zerbrochen.

Denn die meisten Menschen denken sich die Welt noch immer wie Newton sie sich vorgestellt hat. Also zu kurz gedacht, weil unvollständig. Die Folge ist nämlich leider auch ein unzutreffendes Menschenbild. Das haben aber nicht nur die Anderen, sondern auch man selbst über sich selbst. Jedenfalls die meisten von uns.

In der Anwendung hat uns die Quantenphysik schon lange fest im Griff. Nur die meisten Anwender denken noch wie bisher. Also linear und mit klaren und eindeutigen Ursache-Wirkungs-Bezügen. Aber die Welt ist eben so nicht. Heißt, wir müssen Methodik neu definieren. Als Komplexithoden etwa, wie Niels Pfläging es nennt.

Leider verwechseln die meisten Anwender komplex noch immer mit kompliziert. Komplizierte Systeme kann man ‚herunterbrechen‘ und einfacher machen, man kann sie auch in einzelne Teilsysteme aufdröseln, komplexe zerstört man damit unweigerlich.

Dieses ganz grundlegende ‚Problem‘ ist aber keins, denn es hört auf, ein ‚Problem‘ zu sein, wenn man auf der richtigen Ebene arbeitet. Auf der methodischen Ebene kann man eine kulturelle Fragestellung eben nicht beantworten. Da wird sie zum Problem.

‚Probleme‘ haben wir in der BRD aktuell genügend. Nehmen Sie zum Beispiel den Gallup-Index 2014. 15% der Mitarbeiter sind emotional engagiert. 15% haben bereits innerlich gekündigt. Der Rest macht Dienst nach Vorschrift. Ein Problem? Nein. Man muss (oder soll ich sagen müsste?) nur auf der Ebene arbeiten, wo das Thema hingehört. Und das ist definitiv nicht die methodische Ebene.

Was also ist zu tun? Ganz einfach: Wir müssen das, was wir wissen können endlich einmal zur Kenntnis nehmen. Dass uns das unser tradiertes Weltbild zerbröselt, nun, das ist eben so. Als Kind habe ich öfters mein Weltbild aufgeben müssen, vom Klapperstorch über den Weihnachtsmann bis hin zur elterlichen Unfehlbarkeit. Und ich lebe immer noch.

Das ‚Problem‘ ist nur, dass es mit den Erkenntnissen der Quantenphysik ja nicht getan ist. Es geht ja weiter mit dem, was Neurologen und Bewusstseinsforscher so alles über den Körperteil zwischen den Ohren herausgefunden haben. Wenn man das erzählt, sagen die meisten nur ‚du spinnst ja. Der gesunde Menschenverstand sagt mir was ganz anderes!‘

Nehmen Sie nur einmal diesen Satz: ‚Viele Süchtige werden nicht von einem unkontrollierten Drang beherrscht – sie glauben dies nur!‘ (gelesen in Gehirn und Geist 11/2015)  Und jetzt machen Sie einmal Inventur und überlegen sich, was Sie so alles wissen, dass es eben so ist und Sie nichts dagegen tun können. Was, wenn Sie das auch nur glauben? Doch alles nur eine Wolke von Wahrscheinlichkeiten, wie es ein Quantenphysiker nennen würde?

Es ist nämlich nicht so, dass wir uns fragen können, ob alles nicht ganz anders sein könnte. Nein, wir müssen das! Es kann definitiv alles ganz anders sein. Sagen die Quantenphysiker. Und nicht nur die.

Die Welt ist ganz anderes,
als wir sie uns vorstellen.
Materie gibt es nicht wirklich,
nur Geist.
Sagen die Quantenphysiker.

Die Wirklichkeit und die Realität,
in der wir zu leben glauben,
sind nicht wirklich und nicht real,
sondern eine gesellschaftliche Konstruktion.
Sagen die Wissenschaftssoziologen.

Wir erleben uns in der Welt
als etwas Eigenständiges,
als Individuum  existierend,
getrennt von allem anderen.
Tatsächlich ist das eine irrige Vorstellung,
denn alles ist ein in sich differenziertes Eines.
Sagen die Biologen.

Die Persönlichkeit,
das »Ich«,
als das wir uns erleben,
ist eine Täuschung.
Sagen die Bewusstseinsforscher.

Der freie Wille ist eine Illusion,
tatsächlich sind wir Gefangene
unserer verstellten Wahrnehmungen,
Konditionierungen, Identifizierungen
und mentalen Modelle.
Sagen die Neurologen.

Ihr schlaft einen tiefen Schlaf,
ihr seid nicht wach und nicht bewusst
und wacht erst in eurer Todesstunde auf.
Wacht endlich auf, solange ihr noch lebt!
Sagen die Weisen dieser Welt.

Der Geist ist alles.
Was du denkst, das bist du.
Sagt der Buddha.

Aber wer will das schon wissen?

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.