Leer werden

Leere ist Form, Form ist Leere

Alles Existierende kann nur durch das Nicht-Existierenden sein, so wie der Ton nur durch die Stille existiert. Oder ist es so, dass der Ton aus der Stille heraus entsteht und dorthin wieder zurückkehrt? So wie die Bewegung, die aus der Unbewegtheit heraus geschieht und dorthin zurückkehrt oder das Rad, das sich nur bewegt, weil sein Zentrum sich unbewegt ist?

Bleiben wir beim Ton. Wir denken, es ist die Glocke, die ihn erzeugt, dabei ist es die Stille, die ihn möglich macht. Oder ist es unser Impuls, die Glocke zu schlagen? Aber, kommt nicht dieser gedankliche Impuls auch aus der Stille, der inneren Stille? Oder ist es einfach so, dass Ton und Stille, Gedanke und Nicht-Gedanke so wie Ruhe und Nicht-Bewegtheit Aspekte des Einen sind?

Oder ist es nicht vielmehr so, dass alles nur eine Bewegung im Geist ist? Wenn Meister Eckhardt sagt, um Gott zu schauen, müsse man Gottes quitt werden, also der Vorstellung, des Bildes ledig werden, das man sich gemacht hat, sagt er dann, dass Gott nur dort, im Nicht-Bild existiert oder sagt er, dass Gott beides gleichermaßen ist?

Gedanken, die uns in eine ziemliche geistige Konfusion treiben kann. Dabei ist es so einfach. Wenn wir unseren Gedanken (unser Denken ist uns immer nicht bewusst) nicht mehr folgen, erfahren wir, wie die Gedanken aus dem Nichts des Denkens kommen und dorthin zurückkehren, so wie die Bewegung aus der Ruhe und der Ton aus der Stille kommt und dorthin zurückkehrt.

Wenn wir aufhören, Dinge und Ereignisse an etwas fest machen“ zu wollen, sie gedanklich zu fixieren und uns stattdessen auf das so offensichtliche und unmittelbar erfahrbare Phänomen einlassen, dann erfahren wir die Wirklichkeit. Und darum suchen wir leer zu werden, nicht weil wir in der Leere mehr Wahrheit erkennen könnten als in der Fülle, sondern weil wir von uns leer werden müssen, von unseren Vorstellungen von der Welt, um der mystischen Erfahrung Raum zu geben.

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Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.