Leere ist Form, Form ist Leere

Geist ist Materie, der als Geist erscheint; Materie ist Geist, der als Materie erscheint.

Weder Intuition noch Meditation und auch nicht die tiefste Versenkung in den Geist ‚befreit‘ uns von der Tatsache, dass die Welt nur im Bewusstsein existiert – und ist damit niemals unabhängig von dem, was uns bewusst ist. Es gibt keine Erfahrung außerhalb des Bewusstseins, auch keine transpersonale.

Erfahrung geschieht also immer auch im Kontext unserer Internalen Repräsentationen von der Wirklichkeit.

Fazit: Leere und Form sollte man niemals als etwas von einander Verschiedenes ansehen, will man nicht in die Irre gehen. Erinnern wir uns an den Gedanken von Heisenberg: Geist ist Materie, der als Geist erscheint; Materie ist Geist, der als Materie erscheint.

Suchen wir also nach der Wahrheit – und das tun wir vor allen Dingen auch dann, wenn wir nach metaphysischen Wahrheiten suchen, verfangen wir uns in den eigenen Vorstellungen und erzeugen eine Pseudo-Wirklichkeit. Was ja nicht weiter schlimm wäre, wenn nicht solche gedanklichen Konstruktionen von Wirklichkeit im Widerspruch zu den kosmischen Gesetzmäßigkeiten stehen würden. Zwar sind diese Gesetzmäßigkeiten bei genauer Betrachtung auch nur eine Beschreibung der Wirklichkeit, aber die Dynamik, die sie beschreiben, ist real.

Diese Dynamik gibt es, und sie ist als solche unmittelbar erfahrbar – aber eben keine beständige Wahrheiten oder Wirklichkeit. Man kann es mit den Naturgesetzen vergleichen. Die Natur ändert sich ständig, entfaltet sich immer weiter, dabei folgt sie der immergleichen Dynamik. Die Beschreibungen hingegen ändern sich mit unserem Verständnis eben dieser Dynamik. So ist es auch mit den Gesetzmäßigkeiten des Lebens. Sie sind immer gleich, doch unser Verständnis und damit die Art und Weise, wie wir sie zu beschreiben suchen, verändert sich mit zunehmendem Bewusstsein.

Sprechen wir also von Harmonie oder darüber, im Einklang zu sein, dann sprechen wir darüber, im Einklang mit den Gesetzmäßigkeiten zu sein. Doch warum scheint es dann so schwierig zu sein, in Einklang mit den Gesetzmäßigkeiten zu kommen? Weil wir mit der Illusion, der wir folgen, zutiefst verbunden sind. Das ist alles. Und weil die Welt, der Kosmos, und wir nun einmal eins sind, glauben wir zu sterben, wenn wir unser illusionäres Bild von der Welt aufgeben sollen, solange wir diese Illusion nicht selbst erkannt haben.

Diese Gedanken über Leere und Form sind die Essenz des Zen, machen die Gedanken des Zen aus. Aus ihnen heraus erklärt sich auch die gesamte Praxis, etwa, warum dem Meister zu folgen nicht bedeutet, (s)einer Lehre zu folgen, warum jeder für sich seinen Weg finden muss und er doch für alle Menschen gleich ist. Aber auch, warum wir Gegensätze weder ablehnen noch sie aus einem romantischen Impuls heraus zu versöhnen suchen sollten, sondern vielmehr die Dynamik erkennen, die in ihnen und durch sie sichtbar wird.

Vor allem aber ist es die ultimative Aufforderung, sich aus dem üblichen Subjekt-Objekt-Denken zu lösen und damit zu beginnen, über die Sprache zu neuen Denkstrukturen und damit zu einer neuen Sicht der Wirklichkeit zu finden.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.