Lernen oder begreifen?

Persönlichkeitsentwicklung passiert ‚einfach so‘. Nicht bewusst. Doch wann passiert sie und kann man sie nicht doch beeinflussen?

Eines kann man gleich zu Anfang sagen: Lernen kann man ‚Persönlichkeit‘ nicht. Man kann sie auch nicht entwickeln. In einem Persönlichkeitstraining lernt man nichts, man sieht sich selbst höchstens besser und klarer – und zieht idealerweise die notwendigen Konsequenzen daraus, sofern man dazu auch bereit ist. Aber das hat nichts mit lernen zu tun, sondern mit der Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren.

Persönlichkeitsentwicklung ist also ein Ergebnis der Selbstreflexion. Doch woran soll ich mich reflektieren? Keine Frage, im Gegenüber! Worin auch sonst? Eine der wesentlichsten und entschiedensten Fähigkeiten nicht nur des Menschen, sondern des Lebens überhaupt, ist die Fähigkeit zur Selbstorganisation.

Es ist ja eine der großen Mythen zu glauben, wir seien von anderen beeinflußbar. Es ist das große Paradox des Lebens, dass der Einzelne geistig nicht beeinflussbar ist, nur manipulierbar, dass er aber nur in der Gemeinschaft mit anderen seine Potentiale entfalten kann. Aber auch das muss man richtig verstehen, denn bei einer Gemeinschaft, etwa einer Nation, geht das selbe Spiel von vorne los. Und mit unserer Beziehung zur Natur ist es nicht anders. Eben ein einziges Lebewesen.

Darum sollte uns auch klar sein, dass wir nur das sind, was wir für die Anderen sind. Daran sind zwei Dinge beteiligt, die sich idealerweise symbiotisch ergänzen: Einmal unsere Fähigkeiten und zum anderen der Bedarf der Gemeinschaft. Und genau das ist die Fahrrinne, in der sich Persönlichkeitsentwicklung bewegen muss.

Angenommen, man würde Persönlichkeitsentwicklung an der Selbstoptimierung und an dem Bedarf der Gesellschaft messen wollen, dann wäre die Lösung nicht irgendwo in der Mitte, sondern beide Positionen zu 100 Prozent. Diese beiden Positionen sind nämlich nur scheinbar gegensätzlich; wie gesagt, idealerweise ergänzen sie sich.

Persönlichkeitsentwicklung geht also nicht von innen nach außen, nicht vom ‚ich‘ in Richtung des großen Ganzen, sondern beide drehen sich um den ein und selben Punkt. Idealerweise, denn nur wenigen ist es wirklich bewusst, dass sie selbst nichts anderes sind als eine Zelle in einem größeren Organismus.

Also geht es bei der Persönlichkeitsentwicklung erst einmal darum, das große Ganze zu erfassen, zu verstehen, worum es geht. Dann geht es darum, sich selbst und seine Fähigkeiten zu erkennen, um im nächsten Schritt seiner Aufgabe gerecht zu werden (und nicht zu finden). Es ist zwar irgendwie verdammt schwer vorstellbar, aber wo wir sind und was wir tun ist eine (geistige) Bewegung, die aus dem Ganzen kommt und nicht etwa aus uns selbst.

Verstehe ich die Welt als ein Lebewesen, dann bin ich an der Stelle, an der ich mich befinde mit meinen persönlichen Fähigkeiten exakt da, wo ich sein soll. Je mehr Selbstbezogenheit aber darin steckt, desto egoistischer und schräger wird das Ganze. Und, was man nicht vergessen darf, auch destruktiver.

Persönlichkeitsentwicklung bedeutet also zuerst einmal nichts anderes, als diese Zusammenhänge zu erkennen. Was für manchen schon eine ordentliche Kröte ist, die man da schlucken soll. Aber wenn sie erst einmal drunten ist, fängt das Leben erst so richtig an. Es ist, als stünde man auf einem Berg, bekommt endlich Luft und kann die Weite der Welt in ihrer ganzen Pracht genießen. Und man sieht auch, dass es hinter dem Horizont weitergeht. Man bräuchte nur hinzugehen und der Horizont wäre wieder wo anders.

Das braucht man aber nicht wirklich zu tun, es genügt die Augen zu schließen, die Welt vor dem inneren Auge entstehen und den Geist darin wandern zu lassen. Durch diese geistige Wanderung erkennen wir uns selbst, unsere Potentiale, unsere Fähigkeiten und unsere Aufgabe.

Der Rest geschieht dann von alleine. Es ist nämlich nur noch die Realisation einer geistigen Manifestation. Persönlichkeitsentwicklung kann man also nicht beeinflussen, es ist vielmehr ein umfassender Prozess des Bewusstwerdens und des Bewusstseins.

Fazit: Allein Bewusstheit ist der Schlüssel zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.

 

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.