Logik und Mystik

Zwei Aspekte, die miteinander Tango tanzen, wenn man sie lässt.

Viele Menschen verbinden Logik mit Verstand und Mystik mit Gefühl. Manche verlasen sich lieber auf Logik und Verstand, andere auf die mystische Einsicht und das Gefühl. Macht man diese Differenzierung, dann verkennt man, dass alles Aspekte des einen Geistes sind und dass keiner besser oder schlechter als der andere ist.

Immer wieder hören wir im Zen, dass es nichts zu lernen gibt. Dies ist auch der Hinweis darauf, was Logik, Mystik, Verstand, Gefühle und Emotionen für uns »bedeuten« und wie mit ihnen umzugehen ist. Denn das ist überhaupt nicht die Frage, einfach deswegen, weil wir sie haben. Es ist unsinnig, einen Aspekt unseres Seins, entweder das Gefühl oder den Verstand negieren zu wollen. Wir müssen auch nicht lernen, was Logik, Mystik, Verstand, Gefühle und Emotionen sind. Vielmehr müssen wir uns nur ihrer bewusst werden, wenn wir sie haben. Bewusstheit ist der Schlüssel zu allem.

Wir müssen auch nicht wissen, welche Logik unsinnig ist, wann uns der Verstand im Weg steht, welche Erfahrung die Bezeichnung »mystisch« verdient oder welches Gefühl authentisch und welche Emotion hilfreich ist.

Wir müssen uns einfach nur dessen bewusst sein, was ist. Doch das ist leider selten der Fall, als man denkt. Manchmal glauben wir, wir wüssten, was wir tun, zum Beispiel dass wir uns wie ein kleines Kind aufführen und das auch so formulieren. Ich behaupte, dass wir das nicht tun würden, wenn wir uns wirklich unserer selbst bewusst wären, denn dann, so meine Überzeugung, würden wir sofort damit aufhören.

Wenn sich jemand (s)einer Opferrolle bewusst zu sein glaubt, sie aber nicht verlässt, der es sich nicht bewusst, was sie oder er da tut. Ist man sich eines solchen Verhaltens bewusst, wirklich bewusst dann fragt man sich unweigerlich warum man irgendwelchen Ereignissen in der Vergangenheit oder Menschen oder aber den eigenen gedanklichen Konstruktionen Macht über sich verleiht, was unweigerlich zu der Frage führen müsste: »bin ich denn bescheuert?«

Eine der großen Schwierigkeiten im Leben vieler Menschen ist auch, dass sie das Gefühl haben nicht zu wissen, was zu tun richtig wäre. Dabei ist es nur die Vorstellung von sich selbst als selbstbewusst und willentlich Handelndem wir uns den Weg nicht sehen lässt, den uns die mystische Erkenntnis und die konsequente Logik weisen.

Die mystische Einsicht der meditativen Lebenshaltung vermittelt uns die numinose Idee, den Geschmack des Richtigen, die grundlegende Einsicht in die Wirklichkeit und uns selbst. Daraus ergibt sich unmittelbar eine Notwendigkeit, die durch logisches, strukturiertes und konsequentes Handeln Wirklichkeit wird.

Zwei Aspekte eben, die den Tanz des Lebens tanzen.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.