Logik

Es ist eigentlich ziemlich logisch, dass Logik nicht gleich Logik ist.

Logik ist ja etwas Faszinierendes. Jeder arbeitet damit, viele berufen sich auf sie, am heftigsten aber wird über sie gestritten. Logik gibt es nämlich nirgends zu kaufen, jeder denkt sich seine Logik selbst. Nur sind sich dessen die wenigsten Menschen auch bewusst. Jede Logik basiert auf dem internalen, also dem inneren Welt- und Selbstbildnis eines jeden und auf seinem damit einhergehenden Welt- und Selbstverständnis und nicht auf irgendwelchen Gegebenheiten. Zu denken, die Welt sei so, weil die Welt so wäre, ist leider nicht richtig.

Das ist übrigens ein logischer Fehler, auf den sehr viele immer wieder hereinfallen. Weil sie nämlich glauben, dass es eine objektive Welt gäbe, die sie unabhängig von ihrem Denken feststellen könnten. Weit gefehlt. Die gibt es nämlich nicht. (Was sich übrigens leicht logisch erklären lässt.) Also wäre damit auch schon der erste Fall der Logik geklärt, nämlich die Unlogik, die aber als Logik angesehen wird. Der Grund liegt in dem fehlenden, aber als vorhanden angenommenem oder dem irrigen Wissen über etwas.

Aber was ist Logik eigentlich? Sie basiert, wie gesagt auf dem inneren Selbst- und Weltbild und lässt uns die Wirklichkeit beziehungsweise die Realität beziehungsweise das, was wir dafür halten, erkennen. Logik ist ein sich selbstbestätigender und selbstverstärkender mentaler Regelkreis. Weil ich ein spezifisches Weltbild habe, vermittelt mir die Logik das entsprechende gedankliche Bild dessen, was ich für wirklich und real halte. Und verstärkt damit dieses Weltbild, weil ‚meine‘ Logik es naturgemäß bestätigt. Und weil Selbstbild und Weltbild sich wechselseitig bedingen, mögen wir es gar nicht, wenn jemand unsere Logik in Frage stellt – und damit unser eigenes Selbstverständnis, also das, was wir letztlich unsere Persönlichkeit empfinden.

Macht man aber auch nicht, jemanden in Frage zu stellen. Willkommen in der Konvention. Da umgeht man so etwas ganz elegant und redet über etwas anderes. Aber das ist nicht alles, es gibt, abgesehen von der Unlogik, auch noch verschiedene Arten von Logik. Es gibt nämlich die der meisten griechischen Philosophen der Antike. Und Newtons, die ist nämlich auch genauso. Und der meisten im sogenannten Westen lebenden Menschen. Es ist die wenn-dann-Logik. Wenn A ist, kann es nicht B sein. Und umgekehrt.

Doch es gibt noch eine andere Logik, die des Ostens, Chinas und Indiens und wohl auch Japans. Jedenfalls in der Philosophie des Zen. Und natürlich auch bei einigen westlichen Philosophen und Denkern. Heraklit war glaube ich so einer. Es ist die Logik, die den anderen unlogisch erscheint. Sie sagt nämlich A oder B, oder A und B, oder keins von beiden. Oder etwas ganz anderes. Und wer hat nun Recht? Das kommt darauf an, was man untersucht. Untersucht man mechanische Prozesse, etwa ob von rechts ein Auto kommt, dann ist die Annahme es kommt und kommt nicht wirklich hilfreich. Und weil diese Logik so praktisch ist und im täglichen Leben so gut funktioniert, halten viele sie für die allein selig machende. Was sie aber nicht ist.

Denn auf Lebensprozesse lässt sie sich definitiv nicht anwenden. Was früher noch mit dem Etikett ,logisch‘ daherkam, hat das heute nicht mehr. Durch unser heutiges Wissen ist manches unlogisch geworden. Mittlerweile verstehen das immer mehr Menschen, vor allem seit vor circa einhundert Jahren die Quantenphysiker erkannten, dass die Welt der kleinsten Teilchen sich eben – erst einmal – unlogisch verhalten. Aber weil die ja wirklich sind, suchte man nach der dahinterstehenden Logik. Und fand sie in der Quantenmechanik. Mittlerweile wird immer klarer, Physikern wie Zeilinger und seinem Team sei Dank, dass das eben auch für große Objekte gilt, nur dass sich da solche Quanteneffekte dem statistischen Mittel geschlagen geben müssen. Leichter verständlich geworden ist es damit leider nicht. Aber ein Stück näher an der Wirklichkeit.

Logik ist übrigens der einzige Indikator, so sehe ich das momentan, mit dem wir an die selten bewussten Annahmen über die Wirklichkeit, die Welt und uns selbst herankommen und sie uns bewusst machen können – nämlich über die Logik. Verwende ich eine mechanische Logik, sehe ich die Welt auch so. Verwende ich eine paradoxe Logik, dann eben so.

Logisch, oder nicht?

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