Meditation und Versenkung

Gedanken über das Wesen von Meditation und Versenkung.

Der Begriff Meditation und Versenkung wird in der Zen-Praxis nicht stets auf die gleiche Weise verstanden. Auch die Analyse des Wortursprungs hilft nicht wirklich weiter. Nicht nur, dass das Verständnis des Westens von Meditation und Versenkung ein ganz anderes als das des Ostens ist, suggerieren doch solche Untersuchungen schnell, dass Meditation und Versenkung etwas klar Definiertes und Eindeutiges ganz real existiert. Tut es natürlich nicht, den es ist immer nur die Beschreibung einer Erfahrung.

Dass das jeweilige intellektuelle Verständnis von Meditation und Versenkung den Weg zur Erfahrung bahnt, ist etwas ganz anderes. Je klarer und eindeutiger die Vorstellung von etwas ist, desto sicherer können wir sein, dass wir genau diese Erfahrung auch machen, was dann zu der Einschätzung führt, das man den Zustand von Meditation oder Versenkung auf die rechte Art und Weise erreicht hat. Dabei hat man sich doch nur zu einer ganz bestimmten Erfahrung konditioniert, bestimmt doch die Theorie, die gedankliche Vorstellung, was wir wahrzunehmen in der Lage sind.

Das »Problem« liegt also darin, dass wir uns von der Vorstellung zur Erfahrung hin bewegen und dann in der Erfahrung doch wieder nur konditioniert sind, so authentisch und wirklich diese uns auch erscheinen mag. Wie aber kann man das Rad der Konditionierungen verlassen?

Befinden wir uns in einem unausgeglichenen, disharmonischen Zustand, dann erleben wir den ausgeglichenen, harmonischen zustand als nicht (mehr) vorhanden. Wenn wir etwa krank sind, dann suchen wir gesund zu werden. Die Vorstellung, (wieder) gesund werden zu können ist zugleich richtig und falsch. Auf der Ebene der Formen ist unser Zustand eindeutig krank oder gesund oder etwas dazwischen, aber eben eindeutig. Auf der absoluten Geist-Ebene aber sind wir immer gesund. »Wüssten« wir (als Geistwesen) nicht, wie gesund sein geht, könnten wir auch nicht mehr gesund werden. Wir bringen uns also nicht in den Zustand »gesund«, sondern wir verlassen den disharmonischen Zustand »krank«, das heißt, wir machen nicht, sondern wir lassen.

Am deutlichsten kann man dies bei einer schmerzhaften, weil falschen Bewegung feststellen.  Sind wir in der Bewegung ganz achtsam und bewusst, werden wir unmittelbar des »Falschen« gewahr, was uns direkt das »Richtige« tun lässt. Dabei um die »natürliche« Bewegung zu wissen ist hilfreich, aber nicht, um das Richtige zu lernen, sondern zu erkennen, was wir falsch machen bzw., wo wir uns in Widerspruch zu dem natürlichen Bewegungsablauf gebracht haben, mit andere Worten, wo wir nicht mehr den Prinzipien der harmonischen Bewegung folgen.

Es geht also nicht darum, das Richtige zu erlernen, sondern das Falsche zu lassen. Das heißt, dass Meditation und Versenkung nichts anderes bedeuten, als den ursprünglichen, wesentlichen und fließenden (und damit nicht-konditionierten) Seinszustand zuzulassen und dorthin zurückzukehren, auch wenn wir diesen Zustand nie »wirklich« verlassen haben.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.