Meinungen

Die eigene Meinung kann uns frei machen.

Nichts scheint leichter und nichts ist selbstverständlicher, als sich eine eigene Meinung zu bilden. Eine wirkliche Herausforderung ist es, sich eine Meinung zu bilden, die für sich den Anspruch vertreten kann, wesentlich und wahrhaftig zu sein. Die eigene Überzeugung auf »meine Meinung« zu reduzieren ist zwar politisch und auch sachlich korrekt, meist aber eher ein Feigenblatt für wenig durchdachte und mehr oder weniger unreflektiert übernommene Ansichten.

Tatsächlich ist Weniges schwieriger, als sich eine eigene Meinung zu bilden, die diese Bezeichnung auch verdient. Eine (wirkliche) Meinung entsteht auf der Basis eigener Erfahrung und eigenen Wissens vor dem Hintergrund des Bewusstseins der eigenen Person mit all ihren Konditionierungen, Identifizierungen und Fixierungen.

Eine wahrhaftige Meinung zu haben bedeutet folglich die eigenen Überzeugungen in das Verhältnis zu dem zu setzen, was man wirklich wissen kann, was man also selbst genauestens untersucht und über das man aus eigener Erfahrung sprechen kann. Das »Problem« dabei ist nur, dass allein die Erfahrung zu einer wesentlichen und wahrhaftigen Meinung führen kann, die selbst wesentlich und wahrhaftig ist. Und es setzt weiter voraus, dass man sich seiner Persönlichkeit in all ihren Aspekten bewusst ist, denn das bestimmt, welche Erfahrung man überhaupt machen kann.

Als ich einmal eine neue Version meiner Webseite veröffentlichte, fragte mich ein Freund, warum ich so viele Zitate verwandt hatte. In diesem Moment erkannte ich, dass ich damals noch nicht wirklich den Mut hatte, zu meiner Überzeugung zu stehen und statt meine eigene Meinung zu vertreten, hatte ich mich hinter der Meinung anderer versteckt. Bei genauer Betrachtung musste ich dann verstellen, dass ich nicht nur nicht meine eigene Meinung vertrat, sondern keine wirklich eigene hatte.

Je mehr ich in der Folge dazu kam, meine Meinung mit dem Anspruch zu vertreten, dass diese wesentlich und wahrhaftig ist (was man keinesfalls mit wahr verwechseln darf), desto mehr fand ich zu mir selbst.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.