Nochmals: Form

Manche Menschen haben ja Probleme mit der Form. Aber warum?

Alles, was wir tun, ist gleichermaßen Inhalt und Form. Aber nicht nur das, auch was wir denken und so weiter, bis hin zu dem, was wir und wie wir fühlen. Dieses was und das wie lässt sich ja nur gedanklich trennen. Tatsächlich ist es Eines.

Aber tun wir mal so, als wären es zwei von einander trennbare Dinge. Was übrigens viele Menschen tatsächlich tun, etwa bei Sprache oder auch Kleidung, also bei ihren Umgangsformen, nur dass die dann alles andere als ‚echt‘ sind und auch genau so wirken: unecht, nicht authentisch.

Aber sei’s drum, dröseln wir es mal auf. Was ich sage ist Inhalt, wie ich es sage, die Wahl der Worte, die korrekte Grammatik ist das wie, die Form. Wobei man hier schon merkt, dass ein Element alleine, etwa die korrekte Grammatik, noch keinen wirklichen Rückschluss auf den Inhalt zulässt. Also bei Anderen. Für einen selbst schon.

Habe ich mich also entschieden, korrekt zu sprechen, Inhalt, dann muss ich das auch Gestalt annehmen lassen, Form. Oder ich kann aufräumen, weil es unordentlich ist und sich nicht gehört, wenn alles herum liegt (könnte ja einer kommen), oder aber ich räume auf, weil ich verstanden und begriffen habe, dass weniger mehr ist und ich schlicht einfacher leben will. Oder ich nutze die Sprache zwar korrekt, wäge aber trotzdem die Wahl der Worte ganz genau ab, weil ich keine Ego-Sprache (mehr) haben will, einfach, weil ich erkannt habe, das genau das der Feind in mir ist.

Alles klar? Warum fällt es dann aber manchmal so schwer, die richtige Form zu finden? Ganz einfach, weil man sich über den Inhalt nicht klar ist. Wusste schon Einstein. Ein Problem löst man nicht auf der Ebene, auf der es sich zeigt, sondern auf einer höheren, grundsätzlicheren Ebene. Bleibt man also auf der Form-Ebene hängen und hat dort Schwierigkeiten, dann liegt es nicht an der Form, sondern an einer Unklarheit über den Inhalt. Also setze man sich hin und schreibe sich ganz genau den Inhalt auf. Und nicht die Form. Und dann merkt man meist sehr schnell, wo das Problem drin steckt. Nur, dass das dann kein Problem mehr ist, denn jetzt weiß man es ja.

Findet man es wieder Erwarten da aber auch nicht, dann muss man noch eine Ebene höher steigen. Da hilft dann meist die ‚Leiter‘ von Laotse: Sinn, Gewissen, Ethik, Moral, Gesetz und Chaos. Nur umgekehrt. Und da ist es wie mit den Ebenen des Spiral Dynamics, wie sie etwa Graves oder Ken Wilber beschreiben. Jede Ebene umfasst die unteren Ebenen ganz selbstverständlich, doch die oberen Ebenen wollen erkannt und erschlossen werden. Und das bedeutet eben immer, jedenfalls scheint das so zu sein,  das man erst einmal das Gefühl der Sicherheit aufgibt, bis man sich im neuen Gebiet wieder auskennt. Geht auch ohne das, das ist aber ein anderes Thema.

Also muss vielleicht die Frage schlicht und einfach sein, warum man den Sprung nicht wagt, statt sich letztlich selbst abzulenken und über die Form nachzudenken? Ich kann ja von etwas überzeugt sein und es trotzdem nicht machen. Statt mir Gedanken über das zu machen, was ich tun müsste, in diesem Bild die Form, sollte  ich mir vielleicht Gedanken darüber machen, ob ich dazu wirklich bereit bin, oder ob  ich noch an etwas festhalte (meist sagen wir eher ‚hänge‘), was ich loslassen müsste?

Dabei geht es hier nicht um das Wissen, es geht nicht darum, genau zu wissen, was man denn jetzt festhält. Man muss nur wissen, dass man festhält. Und die Entscheidung treffen für das Richtige. Man vergesse nicht: 99,9 % Ja sind immer noch Nein. Darüber muss man sich im Klaren sein. Das ’sich etwas bewahren wollen‘ ist wirklich teuflisch. Es ist das Ego in uns selbst. Dieser kleine Bastard. Der Feind in uns.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.

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