Notizen zu Zen-Leben

Zen zu leben heißt, das Leben zu bejahen, so wie sich zeigt und dem ohne Vorbehalt zuzustimmen.

Wir müssen im Einklang mit dem Lauf der Welt sein, wie sonst können wir ihr zustimmen?

Weil der Bambus sich im Wind und Sturm beugt, bricht er nicht und richtet sich immer wieder von neuem auf. Der Bambus ist im Einklang mit der Kraft des Windes, er widersetzt sich nicht und leistet keine Gegenwehr.

Wir haben nichts als dieses Leben, doch das ist mehr, als uns bewusst ist, sind wir uns doch unserer selbst nicht bewusst, wissen wir nichts um unsere wahre Natur. Wie können wir da glauben, das Leben verstehen zu können?

Zen zu leben öffnet das Tor zur unmittelbaren Erfahrung des Lebens und so zur Erfahrung unseres Wesens, das davon nicht verschieden ist, nicht verschieden sein kann!

Zum Wesentlichen zurück zu kehren heißt, zu uns selbst finden zu können nur in der Unmittelbarkeit des Wesentlichen können wir wahrhaftig wir selbst sein.

Im meditativen Gewahrsein dessen, was (im Augenblick) ist, werden wir der Welt wir uns selbst gewahr. Was also liegt näher, als unser gesamtes Leben zu einem Ort der Meditation werden zu lassen.

In der meditativen Konzentration auf das Wesentliche finden wir zu uns selbst, einfach deswegen, weil unser Geist klar wird und wir wahrnehmen können, was in diesem Augenblick wirklich ist.

Nur so kommen wir in die Lage, die Schönheit erkennen, die in den Dingen selbst liegt. Doch dies verlangt immer wieder die Konzentration auf das Wesentliche.

Zen-Kunst wendet will nichts Schönes erschaffen, sondern die Schönheit sichtbar machen, die in den ganz alltäglichen Dingen ist. Auf diese Weise beruhigt sich der Geist und wir können wieder im Einklang mit der Welt sein.

Dem Sinn des Lebens finden wir in keiner Philosophie und keiner Weltanschauung oder metaphysischen Theorie, sondern alleine in den uns oft so alltäglich und gewöhnlich erscheinenden Dingen.

Sprechen wir von Zen-Kunst, dann ist damit nichts Künstliches gemeint, sondern die Kunst, Alltag mit Ästhetik und Wesentlichkeit wie Wahrhaftigkeit im Einklang mit dem sein zu verbinden.

Das Besondere des Zen liegt darin, dass es die Wahrheit weder in Schriften, einer Philosophie und auch in keinem Glauben sucht, sondern in den alltäglichen Dingen selbst sieht – und vor allen Dingen in dem Menschen selbst. Indem wir Zen leben, leben wir diese unverstellte Wahrheit in unserer eigenen Existenz.

Die Zen-Praxis verhilft uns zu immer tieferen Einsichten in unser Wesen – jenseits von Konditionierungen, Identifizierungen und Fixierungen durch das konsequente Erforschen unseres Geistes.

In der Klarheit des Zen-Denkens lösen uns aus unseren Vorstellungen, aus denen über das, was war schön und gut ist. Unsere tradierten Vorstellungen von schön, wahr und gut, hindern uns daran, die Wirklichkeit zu sehen.

In der Zen-Praxis geht es nicht um die Erzeugung des Schönen, Guten und Wahren, sondern darum, es durch die Beruhigung des Geistes in uns zu erkennen. Die Zen-Prinzipien wollen in diesem Sinne nichts vermitteln, sondern zu einer Einsicht verhelfen durch Klärung des Geistes, durch Sich-lösen aus Anhaftungen und im Einklang-sein mit den Gesetzmäßigkeiten.

In uns wirkt wie in allem der Geist des Kosmos. Dieser Geistes unsere wahre Natur, unser wahres Selbst, die Buddha-Natur, der Buddha-Geist.

Gelangen wir zu wirklichen Selbsterkenntnis, dann sind die Dinge weiter das, was sie sind, doch nicht für uns, nehmen wir sie doch jetzt auch als das war, was sie wirklich sind, dieselbe Buddha-Natur, derselbe Geist, der auch uns ausmacht.

Doch das findet sich in keinem Dogma, in keiner metaphysischen Deutung, sondern es offenbart sich uns allein in der unmittelbaren Erfahrung und Einsicht in einem klaren und freien Geist.

In der Zen-Praxis befreien wir unseren Geist und damit uns selbst, unsere Intelligenz, unsere Kreativität und, wie ich es gerne nenne, unser inneres Gutsein, ohne dazu etwas Spezifisches außerhalb der Praxis tun zu müssen.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.