Objektivität

Subjektive Gedanken über die Welt und den Menschen

Im Grunde geht es in der Zen-Praxis um etwas sehr Banales. Es geht alleine darum zu erkennen, dass der üblichen Vorstellung von der Welt ein gravierender Denkfehler zugrunde liegt, was Erwin Schrödinger in seinem Text »Geist und Materie« wie viele Wissenschaftler an anderer Stelle auch überzeugend und nachvollziehbar dargelegt hat. Bei der Beobachtung der Natur (Welt) wird das ‚Subjekt der Erkenntnis gedanklich als außenstehender Zuschauer angenommen. Diese Objektivierung der Welt ist möglich, indem der Beobachter sich selbst als Subjekt und der Welt als nicht angehörig ansieht. Dies führt zur ‚Hypothese einer realen Außenwelt.

Dies ist aber schlicht unzutreffend, da unser materieller Körper, mit dem unser Denken direkt verbunden ist, ja untrennbar zur ‚sogenannten Außenwelt‘ gehört. Weil wir aber tatsächlich nicht außerhalb der Welt sind, denken wir unser wahrnehmendes Selbst wieder in die Welt zurück. Den Umstand, dass wir uns bei der Frage, wie die Welt beschaffen ist, selbst ausgeschlossen haben, ignorieren wir und tun bei den weiteren Überlegungen so, als hätten wir das nicht getan. Die Folge ist eine unendliche Kette von unzutreffenden und im Grunde unlogischen Schlussfolgerungen, auf denen wir unser Weltbild und damit auch unser Selbstbild aufbauen.

Der Preis, den wir für die Objektivierung der Welt zu zahlen haben, ist, dass darin kein Platz für Geist ist, eine fatale Auslassung, und daher kommen wir gar nicht erst auf die Idee, die Beziehung zwischen Geist und Materie genauer zu untersuchen. Tatsächlich gibt es keine objektiv feststellbare Welt. Die Welt, wie wir sie sehen, entsteht allein in, aber auch durch unseren Geist und das Bewusstsein. Akzeptiert man diese Gedanken als zutreffend, dann bleiben einem letztlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder, weiter wie ein Blinder durch die Welt zu stolpern, so tun, als wäre nichts gewesen und herumtastend zu versuchen, sich zu orientieren, um mit der Welt und vor allen Dingen mit sich selbst irgendwie klarzukommen. Oder aber man entscheidet sich diese Erkenntnisse und Einsichten zu Ende zu denken und zur Grundlage des eigenen Lebens zu machen. Krishnamurti nannte dies »die Kunst, zu sehen«.

Solange man nicht bereit ist, die Wirklichkeit als das anzuerkennen, was sie tatsächlich ist und weiter von unzutreffenden Vorstellungen über die Welt und damit auch von sich selbst ausgeht, solange darf man sich nicht wundern, dass einem ein wirklich erfülltes Leben versagt bleibt. All die Schwierigkeiten und Probleme, Konflikte und Auseinandersetzungen, die uns tagtäglich in der Welt begegnen, haben ihren Ursprung nicht darin, dass die Menschen oder wir selbst unzulänglich wären oder manche einen schlechten Charakter hätten, sondern sie haben ihren Ursprung darin, dass die Wirklichkeit als solche nicht erkannt wird, was zwangsläufig zu unzutreffenden methodischen Konzepten und wenig hilfreichen, meist sogar zu destruktivem Handeln führt.

Es geht also nicht darum, »das Richtige zu tun«, sondern es geht darum, die Wirklichkeit als das zu erkennen, was sie ist und die damit einhergehenden Konsequenzen für das eigene Selbstverständnis zu akzeptieren, um dann im nächsten Schritt das eigene Denken an dieser Wirklichkeit auszurichten.

Und das soll alles sein? Ja, ist es. Das Wesentliche ist immer einfach. Aber nicht simpel. Denn es bedeutet, dass wir die geistig-mentalen Programmierungen wieder loswerden müssen, die wir uns selbst angeeignet haben und die als unzutreffende Vorstellung von unserem Selbst, als Konditionierungen, Fixierungen und Identifizierungen unser Denken und Handeln nicht nur beeinflussen, sondern bestimmen.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.

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