Persönlichkeit

Der Tischler formt Holz.
Der Töpfer formt Ton.
Der Weise formt sich selbst.

Wie wir uns verhalten und die damit verbundenen Erfahrungen prägen eine neuronale Matrix in unserem Gehirn, die uns auf ganz bestimmte Art und Weise denken und dementsprechend wieder handeln lässt. So entsteht die Präsenz, die wir (in) der Welt zeigen – das, was wir als »unsere« Persönlichkeit ansehen und erleben.

Unser Denken und damit unser Handeln wie unsere Persönlichkeit sind nichts Gegebenes und aufgrund der neuronalen Plastizität des Gehirns auch nichts Statisches. Persönlichkeit ist ein Prozess.

Dazu kommen zwei weitere Gegebenheiten: Einmal, dass wir Menschen wie alle lebendigen Systeme autopoietische und strukturdeterminierte Systeme sind und zum anderen, dass wir als Gemeinschaft und als Einzelner in einer gesellschaftlich konstruierten Wirklichkeit und nicht in »der« Wirklichkeit an sich leben.

Wie wir denken bestimmt, wie wir handeln. Dieses Handeln wiederum prägt unser Denken. Wiederholtes Handeln verdichtet spezifische Denkmuster, die letztlich die Erkenntnistheorie bilden, mit und durch die wir Wirklichkeit erkennen. Diese »Wirklichkeit« ist nicht die Wirklichkeit an sich, auch keine subjektive Wahrnehmung der Wirklichkeit, sondern eine geistig-mentale Vorstellung von Wirklichkeit.

Persönlichkeitsbildung bildet – wie das Wort schon sagt – in ihrem Selbstverständnis Persönlichkeit. Das bedeutet, dass die durch die Sozialisierung entwickelten Konditionierungen, Fixierungen und Identifizierungen durch nichts anderes als durch neue Konditionierungen, Fixierungen und Identifizierungen ersetzt werden. Dabei folgen wir entweder unseren Wünschen, der Vorstellung, wie wir gerne wären oder glauben sein zu müssen, um erreichen zu können, was uns erstrebenswert erscheint. Die Frage ist, woher diese Vorstellung kommt. Es bestätigt sich ja immer mehr, dass wir keinen freien Willen im üblichen Sinn haben, sondern unseren Konditionierungen, Identifizierungen und Fixierungen folgen..

Andererseits brauchen wir Strukturen, um in der Gesellschaft arbeiten und leben zu können. Das kann ernsthaft nicht infrage gestellt werden, auch wenn manche spirituell orientierte Menschen dies offensichtlich glauben. Die Komplexität des Lebens darf nicht banalisiert werden, will man ihr gerecht werden.

Es gibt also viele auf die Persönlichkeit bezogene Methoden, die notwendig sind und die Sinn machen. Doch Sinn machen sie erst dann, wenn wir uns in unserem Wesen verstanden haben.

Persönlichkeitsbildung läuft sonst Gefahr, eine Persönlichkeit »plugged and covered« auszubilden. Persönlichkeitsbildung muss also auf dem Verständnis des Wesens aufbauen und damit beginnen – wenn man dann überhaupt noch von der Bildung einer Persönlichkeit sprechen will, denn dieses Bild wird meines Erachtens der Wirklichkeit nicht gerecht.

Hinter den Strukturen unserer Persönlichkeit liegt die Wahrheit, die unsere innere Essenz, unser Wesen ist.

Erst durch das Leben der inneren Wahrheit können wir wahrhaftig und wesentlich sein.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.